So gründet man ein Wohnprojekt - Home Story mit Tilman vom Wohnprojekt 2n40 #64
Shownotes
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00:00:35: ja genau dazu habe ich unseren heutigen Gast Tilman vom WOM Projekt 42 in Dresden eingeladen, der uns heute seine Gründungsgeschichte vom Wohnprojekt erzählt und auch die Learnings, die sie zusammen gemacht haben. In der heutigen Folge erfahrt ihr, wie man Gleichgesinnte findet und wie man sich dann als Gruppe organisiert, damit man überhaupt eine Immobilie kaufen kann. Timmann erzählt uns auch, wie das Wohnprojekt Teil des Mietshäuser-Syndikats wurde. Ja, und die Gruppe hat aktuell auch eine spannende Challenge, denn sie müssen sich um die Nachfinanzierung kümmern und die Zinsen sind ja enorm gestiegen,
00:01:09: also ein echter Worst Case. Ja und am Ende verrät uns Tilman noch, wie sie ihre Miete innerhalb der Gruppe aufteilen und dass sie durch Gebote versteigert wird. Also wirklich total interessant. Also spitzt unbedingt die Ohren, wenn ihr euch vorstellen könnt, mit einer Gemeinschaft ein Wohnprojekt zu starten oder wenn ihr euch einem anschließen wollt. Also los geht's! Ich begrüße heute Tilman. Schön, dass du dir heute Zeit für ein Interview nimmst.
00:01:36: Hallo, schön, dass ich da sein darf. Tilman, ich stelle dich mal ganz kurz vor. Du bist 49 Jahre alt und arbeitest in einer Pressestelle für politische Kommunikation. Und zusammen mit deiner Familie lebst du in einem sehr ungewöhnlichen Projekt, und zwar in einem Wohnprojekt, das Teil eines Mietshaussyndikats ist, dem Projekt 42 in Dresden, das ihr selber gegründet habt. Das finde ich total spannend und bin ganz neugierig auf eure Geschichte, weil sowas
00:02:02: zu starten ist wirklich eine große Herausforderung und eine lange Reise. Tilman, kannst du den Hörern mal kurz erklären, was das Projekt 42 genau ist? Es sind zwei Häuser, die zusammenstehen. Wir haben sie gekauft, sanieren lassen, umgebaut, sodass jetzt die beiden Häuser auch innen verbunden sind miteinander. Und wir haben eben Grundrisse innen so verändert, auch Wände rausgenommen, Zimmer zusammengelegt, so dass man jetzt von allen Wohnungen und
00:02:31: Privaträumen auch alle Gemeinschaftsräume reichen kann, die es im Haus so gibt. Dazu kann ich später dann noch detaillierter auch was sagen. Und mich würde jetzt noch interessieren, steht das Haus in einem städtischen Gebiet oder ist es schon am Stadtrand und ihr habt viel Grün drumherum? Wie muss man sich das so ein bisschen vorstellen? Also prinzipiell steht es in der Stadt Dresden, aber ja, es steht am Stadtrand. Also es ist der Übergang vom städtischen ins ländliche.
00:02:58: Wir selber haben relativ viel Grundstück zum Haus dazu inzwischen. Anfänglich waren es 1800 Quadratmeter und wir konnten dann noch 1200 Grünland direkt anschließend dazu kaufen. Also das ist so wild bewachsen mit wie so Miniwäldchen sozusagen und auch kein Bauland. Also wir können jetzt da auch nicht erweitern oder so. Aber es gibt uns natürlich viel Raum. Das ist gut und die Nachbarschaft ist einerseits ein alter Dorfkern, der eben dann an die Stadt angewachsen
00:03:29: ist und in die andere Richtung erstreckt sich so ein Plattenbaugebiet, wie es es in der DDR häufiger gegeben hat. So was, glaube ich, in den 80er Jahren entstanden ist. Ja, aber euer Haus ist dann kein Plattenbau? Unser Haus ist kein Plattenbau. Unser Haus ist nach dem Ersten Weltkrieg, vor reichlich 100 Jahren, 1919, gebaut. Ganz normaler Ziegelbau.
00:03:51: Ah ja, okay. Und das sind einfach so rein Einfamilienhäuser? Ne, also unser Haus jetzt, das sind zwei kleine Mehrfamilienhäuser gewesen. Jedes Haus hatte pro Etage zwei Wohnungen a 60 Quadratmeter und es war nur Erdgeschoss und erste Etage plus ein Dachboden oben drüber. Und das Ganze halt dann sozusagen in beiden Häusern. Das heißt, man hat jetzt pro Einzeletage 120, also unser ganzes Erdgeschoss 240. Dann nochmal oben drüber sind es 480. Also bei der Sanierung haben wir das Dachgeschoss auch zum Wohnen ausgebaut. Wir haben jetzt insgesamt 660 Quadratmeter Wohnfläche für alle zusammen.
00:04:31: Das ist schon mal eine große Nummer. Und wie viele Leute leben da jetzt bei euch? Genau, wir sind in der Gruppe 15 Erwachsene bzw. 16. Als wir das Haus gekauft haben, oder die Häuser, es sind ja eigentlich zwei, gab es einen Altmieter, der im Haus noch gewohnt hat. Der einzige letzte verbliebene. Und der ist auch nach wie vor da. Der wurde Teil der Gruppe, das ist ja interessant. über 80 bereits. Also sehr fit, sehr rüstig, lebt alleine in seiner Wohnung, die er natürlich behalten hat. Die hatte er auch selber schon saniert. Also er hat eine eigene Heizungsanlage
00:05:12: zum Beispiel drin und sowas. Also wir haben gewissermaßen um ihn drum herum gebaut, wenn man so will. Dann gab es ein paar Sachen, wo wir dann durch seine Wohnung durch mussten, irgendwie ein Heizungsrohr durchziehen. Okay, aber ansonsten ist er im großen Ganzen von uns unberührt. Aber wir kommen sehr gut mit ihm aus, er mit uns auch. Es ist gut für ihn, dass wieder Leben im Haus ist. Und da gibt es hin und wieder mal Reibungspunkte.
00:05:37: Aber im großen Ganzen ist es eine Unterstützung für ihn und auch für uns. Wir helfen uns gegenseitig. Er ist aber jetzt in dem Sinne nicht Teil der Gruppe. Er nimmt jetzt zum Beispiel nicht am Klenum teil, was wir alle 14 Tage machen. Ah ja, okay. Dann verstehe ich das. Aber nochmal zurück. Wir sind jetzt im Moment 15 Erwachsene. Dann gibt es noch zwei Zimmer, die sind so phasenweise bewohnt, wo Menschen sind, die arbeiten in Berlin und sind
00:06:07: dann aber eben doch öfter in Dresden, haben das Zimmer behalten, teilen es dann vielleicht auch als Gästezimmer. Das heißt, wenn sie nicht da sind, können wir es nutzen, wenn wir Gäste haben und so was. Genau. Also es wäre Platz eben auch für vielleicht 17 Erwachsene. 15 sind es, die derzeit permanent im Haus wohnen. Davon sind drei Familien. Und in den drei Familien gibt es insgesamt zehn Kinder. Ach, das ist ja cool. Die auch im Haus wohnen und die so zwischen sechs und 16 Jahre alt sind.
00:06:35: Und quasi wie eine Großfamilie so ein bisschen miteinander aufwachsen. Genau, ein bisschen wie eine Großfamilie. Die Kinder bewegen sich frei im Haus. Natürlich, wenn sie in Privaträume reingehen, dann haben sie von uns schon gelernt, so wie wir das als Erwachsene natürlich auch machen, dass man an die Tür klopft, fragt, darf ich reinkommen? Genau, weil alle Türen haben Türklinken. Also jetzt auch bei meiner Familie, wir haben eine eigene Wohnung im Haus mit eigener Küche, mit eigenem Bad. Trotzdem ist an unserer Wohnungstür eine Klinke
00:07:06: außen dran. So geht jeder rein und raus. Und das passiert auch, wir nutzen ja genauso auch die Gemeinschaftsräume und bewegen uns im Haus, sodass das ja lästig wäre. Ja, das heißt, jeder von euch hat immer so eine eigene Wohnung und dann gibt es Gemeinschaftsräume, die dann allen gehören. Ja, es ist auch unterschiedlich tatsächlich. Die drei Familien haben alle eigene Wohnungen, wobei eine der drei Familien auch aus ihren Wohnräumen heraus quasi immer die Gemeinschaftsküche
00:07:38: nutzt als ihren Ort, als Lebensmittelpunkt kann man sagen. Die Küche ist ja eigentlich immer so ein bisschen egal, ob man jetzt in der WG wohnt oder als Familie. So ist es auch bei uns im Wohnprojekt, dass natürlich die Gemeinschaftsküche der Lebensmittelpunkt ist. Da ist dann die Frage, wie oft will man die eigentlich frequentieren, wie oft hält man es aus. Da sind wir jetzt mit unserer Familie so, dass wir sagen, wir brauchen den Rückzugsort der eigenen Küche. Und es gibt ja aber auch gewissermaßen WG-Bewohner, wenn man das so vergleichen will.
00:08:17: Die haben ihr eigenes privates Zimmer, die haben aber vielleicht jetzt auf ihrem Flur ein Bad, was sie mit drei anderen teilen und sind natürlich dann auch auf die Gemeinschaftsküche angewiesen, haben aber vielleicht jetzt auf ihrem Flur ein Bad, was sie mit drei anderen teilen und sind natürlich dann auch auf die Gemeinschaftsküche angewiesen, weil sie selber in ihrem Raum gar keine Küche haben.
00:08:33: Also es ist so eine Mischung aus Wohnungen und Wohngemeinschaftswohnen. So hängen die Formen zusammen. Ja, also wirklich ungewöhnlich, aber finde ich eben sehr inspirierend, weil man eben das Ganze neu denkt, wie man zusammen leben will. Und je nach Lebensphase man irgendwie ja auch anders leben will und sich das ja auch entwickelt. Und ihr habt da so einen Kompromiss gefunden, wo jeder sich da so seinen Raum quasi nehmen kann.
00:09:00: Das finde ich irgendwie cool, dass es nicht so festgefahren ist, sondern dass es so flexibel ist. Ja, soweit es das Haus hergibt natürlich. Seinen Raum nehmen ist eben endlich auch bei 660 Quadratmetern. Ja, ja, klar. So war es auch gar nicht gemeint. Aber dass man es gestaltet, also dass man nicht irgendwie so mit so einem starrren Blick auf Grundrisse so drüber geht, sondern dass man einfach so ein bisschen flexibel, je nach Lebenssituation, sich das dann eben neu gestaltet. Ich würde mit dir ganz gerne die Geschichte Revue passieren lassen von der Gründung,
00:09:36: also wie es kam es dazu, dass ihr dieses Projekt angegangen seid. Da würde ich gerne bei dir da starten, wo du vor dem Projekt gelebt hast und wie du da gelebt hast, damit man besser nachvollziehen kann, wie es dann dazu kam. Mich würde interessieren, bist du aus Dresden, da hast du schon immer in Dresden gelebt und wie hast du vor dem Projekt gewohnt oder wo? Ich bin nicht in Dresden geboren, aber in Dresden aufgewachsen. Also ich war zwei Jahre alt, als meine Eltern mit mir und meinen Geschwistern nach Dresden gezogen sind,
00:10:10: sodass ich fühle mich als Dresdner. Ich habe keine Erinnerungen an einen davor. Wir haben in einer relativ großen Altbauwohnung gewohnt, da bin ich aufgewachsen. Hohe Wände, große schöne Türen und so. Aber eben DDR war jetzt nicht alles so top saniert, wie man das jetzt vielleicht heute aus vielen Bereichen kennt. Wo manche dann schon sagen, boah, jetzt ist mir viel zu viel. Lass mal noch ein bisschen Charme von dem Alten übrig. Jedenfalls so bin ich aufgewachsen. In meiner Jugend, als ich mit 20 oder so war, bin ich ausgezogen zu Hause und habe dann nachfolgend eigentlich immer in WGs gelebt, in der Studentenzeit, in verschiedenen Größenordnungen. Dann habe ich meine jetzige
00:10:59: Frau kennengelernt, dann sind wir irgendwann zusammengezogen. Genau, und dann fing das an mit... Dann ist unser erstes Kind geboren, unser zweites Kind. Dann fängt man an, darüber nachzudenken, wo kann man eigentlich einen Ort finden, um dauerhaft zu sein? Oder auch irgendwie das Gefühl zu haben, hier will ich bleiben. Und das ist in einer Mietwohnung natürlich möglich, keine Frage.
00:11:26: Aber es ist ja immer so ein bisschen… Ja, also manche haben einfach nicht so dieses Sicherheitsgefühl, was man gerne hätte, wenn man weiß, hier will ich quasi so eine Homebase aufschlagen. Dann will man ja auch mit einer gewissen Sicherheit das haben. Genau, und da haben wir natürlich auch eben angefangen zu überlegen als damals kleine junge Familie. So was kann man tun? Wo wollen wir hin? Wir waren aber auch in Dresden, Immobilienpreise
00:11:53: schon eigentlich weit jenseits von dem, was wir uns hätten damals leisten können. Und dann haben wir rumgeguckt, mit befreundeten Familien auch überlegt, kann man vielleicht zusammen was kaufen, vielleicht ein Stück außerhalb oder so. Da waren wir mit einer Familie, die jetzt auch hier mit im Haus wohnt, die auch mit hier gegründet hat, schon mal kurz davor, nur mit zwei Familien ein Haus zu kaufen, was dann aber auch nicht geklappt hat. Und dann gab es, ich denke es war Anfang 2013, hat die Stadt Dresden ein Gebäude in der Versteigerung angeboten. Es war früher mal ein Kindergarten gewesen, mit relativ viel Fläche.
00:12:37: Und da gab es eine öffentliche Besichtigung. Zu der sind wir hingegangen. Da war klar, dass das aufgrund der Größe des Hauses nie und nimmer was für zwei Familien ist, sondern wenn, dann hätte man da schon auch viel, das wäre noch viel größer gewesen als hier das Haus. Das war eine öffentliche Besichtigung, da waren viele Menschen. Also wir haben uns dann irgendwie relativ schnell bei der Besichtigung gemerkt, okay, da laufen Leute rum, die wirken so, als seien sie uns ähnlich oder als hätten sie möglicherweise auch die Idee im Kopf, da irgendwas zu gründen oder irgendwas damit zu machen.
00:13:10: Also haben wir angefangen, Menschen anzusprechen und wurden auch von anderen Menschen angesprochen. Daraus hat sich tatsächlich eine relativ große Gruppe gebildet, die sich dann im Nachgang noch zwei oder drei Mal getroffen hat, um irgendwie Pläne zu schmieden und zu überlegen, was will man eigentlich und was kann man, die zerfiel dann erstmal wieder. Und ein Teil der zerfallenen Gruppe, das waren quasi dann wir. Also so ein harter Kern, der übrig geblieben ist. Ja, auf der anderen Seite war ja vielleicht auch, ich weiß nicht, ob wir der Kern gewesen sind. Achso, ja, okay. Oder in Teilgruppen.
00:13:47: Da waren dann halt die Familien, mit denen wir vorher schon mal fast ein Haus gekauft hatten. Und meine Familie. Plus, es waren Menschen, die haben vorher in einem studentischen Wohnprojekt zusammengelebt. Die ganze Gruppe, die sich da herauslste, waren insgesamt neun Personen. Das waren drei Paare bzw. Familien. Das sind die drei Familien, die jetzt hier leben. Und es waren drei Einzelpersonen. Das waren die neun Erwachsenen ganz am Anfang. Ach, und ihr habt euch quasi dann zusammengetan und überlegt, wie können wir so was realisieren?
00:14:22: Genau. Wir haben dann zusammengesessen als eben die verkleinerte Gruppe. Es gab den Zuschlag nicht für dieses Gebäude, was die Stadt Dresden da angeboten hat. Wir haben ein Gebot abgegeben als diese relativ große Gruppe, haben das Gebäude nicht bekommen. Und dann zerfiel die Gruppe wieder, genau. Dann waren wir die Neuen, haben uns zusammengesetzt und hatten eben dann gesehen, dass die GAKFA, ein sehr großer Immobilienkonzern, der in Dresden sehr, sehr viele Häuser und Wohnungen besitzt. Die hatten, ich weiß nicht mehr, zehn, zwölf Häuser in Dresden aus ihrem Gesamtbestand, haben sie zur Versteigerung angeboten.
00:14:58: Zur Versteigerung? Zur Versteigerung, genau. Ah ja, okay. Genau. Und wir haben uns angeguckt, was sind das für Häuser, wo stehen die in Dresden, was davon kommt für uns in Frage, was sind die möglicherweise wert, was müssen wir da bieten, wie viel Geld können wir eigentlich gemeinsam aufbringen, um da irgendwas zu bieten oder einsammeln und hatten, ich glaube, immerhin neun Häuser, acht oder neun Häuser, auf die wir Gebote abgegeben haben.
00:15:27: Und für dieses Haus, wo wir jetzt sind, beziehungsweise diese zwei zusammenstehenden kleinen Mehrfamilienhäuser, hatten wir dann nicht direkt den Zuschlag, sondern die GAKFA hat sich bei uns gemeldet und hat gesagt, okay, Sie sind einer der zwei meistbietenden. Aha, okay, und dann? Wollen Sie noch mal was nachbieten? Wir haben hier zwei Gebote in ähnlicher Höhe.
00:15:48: Das war natürlich dann auch wieder so ein wollen die uns jetzt austricksen oder wir dann auch nicht überbieten. Aber das war in diesem Gerichtszahlen? Nein, nein, nein. Das war keine Zwangsversteigerung. Man konnte sich das ja alles angucken, In Ruhe überlegen und dann ein Gebot ab. Aber man wusste nicht, was die anderen bieten.
00:16:06: Okay, verstanden. Man wusste nicht, ob jemand anderes bietet und man wusste auch nicht, was. Dann haben wir gesagt, okay, ich weiß ein bisschen. Ich müsste jetzt lügen, ich würde sagen, unser erstes Gebot waren 175.000. Nicht viel, wenn man das jetzt so hört. Es waren allerdings auch unsanierte Immobilien, wo klar war, da muss man sehr viel Geld reinstecken. Dann haben wir noch mal gut 10 Prozent drauf und haben am Ende 188.000 Euro oder so was angeboten.
00:16:38: Für ein Haus oder für beide? Für das Gesamtpaket der beiden Häuser und dem Grundstück dazu von 1.800 Quadratmetern. Aber das ist ja super. Und dafür haben wir dann den Zuschlag bekommen. Ach super. Und hattet ihr euch vorher schon eine Finanzierung mit Sanierungskosten und so schon alles organisiert? Und wie macht man das dann in so einer Gruppe, die sich da so formiert mit dem ganzen Eigenkapital, wenn ich jetzt mal so neugierig fragen darf. Tatsächlich kam in der neuner Runde, nennen wir es jetzt mal, als wir darüber nachgedacht haben,
00:17:13: auf die Häuser zu bieten, kam schon von Einzelnen die Idee, lasst uns das bitte mit dem Miethäuser-Syndikat machen. Ich kannte das vorher nicht, habe mich da überzeugen lassen, dass das eine gute Sache ist. Eine sehr sinnvolle Sache auch, weil das Mietzuhäusesyndikat ja nicht einfach nur ein Finanzierer ist, ganz im Gegenteil. Wenn man eben die Idee dahinter steckt, die Gruppe kauft das Haus mithilfe der GmbH, die sie gründet, wo aber eben keine Privatpersonen die Eigentümer sind, sondern in der GmbH ist ein Gesellschafter der Hausverein und ein Gesellschafter die
00:17:55: Mietshäuser Syndikats GmbH, die wiederum als Gesellschafter den Syndikatsverein drin stehen hat, sodass alle Menschen, die im Mietzuhäuser-Syndikat leben und organisiert sind, alle mittelbar sozusagen in den GmbHs verankert sind. Und die Haus-GmbH, die wir eben dann gegründet haben, abgelöst ist von Privateigentum. Und das genau ist ja die Idee, weil sie eben über die Vereine als Gesellschaft organisiert ist, dass das Haus am Ende unverkäuflich ist. Es lässt sich nicht mehr auf den Immobilienmarkt
00:18:32: bringen und wird immer bewirtschaftet von den Menschen, die im Haus leben. Ja, genau. Also es ist so eine Art Veto-Recht, nenne ich das jetzt mal. Genau. Als Laie und nicht Jurist, sage ich jetzt mal, ist es ein Vetorecht. Und diese Idee wurde quasi aus der Gruppe heraus in die Gruppe hereingetragen, noch bevor wir das Haus gekauft haben. Das wollte ich gerade vom Timing wissen, weil das ist natürlich auch,
00:18:55: also A müssen alle davon überzeugt sein und dann braucht es ja auch eine gewisse Zeit, so was quasi auf die Beine zu stellen und dann auch Handel, also dass die GmbH dann auch eingetragen ist und man dann auch kaufen kann. Und wenn ihr jetzt so etwas gesehen habt, wie lange habt ihr da gebraucht oder habt ihr das parallel schon auf die Beine gestellt? Wir haben die GmbH gegründet und haben dann gekauft, aber es lief natürlich parallel, weil wir ja die Häuser schon im Blick hatten.
00:19:27: Und die GmbH-Gründung wird natürlich unterstützt durch das Mietzuhäusesyndikat. Da gibt es auch Menschen innerhalb des Syndikats, auch jetzt bei uns im Haus inzwischen, die selber als Berater für das Syndikat arbeiten, sage ich jetzt mal in Anführungsstrichen. Ehrenamtlich. Berater für das Syndikat arbeiten, sage ich jetzt mal in Anführungsstrichen. Ehrenamtlich. Ehrenamtlich, ja.
00:19:47: Wenn also jemand sich dafür interessiert, dann holt er sich natürlich Informationen aus dem Syndikat von Menschen, die sich damit gut auskennen und die bereit sind, da auch eben den Wissenstransfer zu leisten. Das hatten wir natürlich damals auch, wobei das eine Phase war. 2013 entstanden in Dresden mindestens drei Syndikatsprojekte gleichzeitig. Eins davon auch aus dieser Versteigerung. Die haben ein anderes Haus aus der Versteigerung dann gekauft. Das war so ein bisschen die Zeit, wo sich relativ viel bewegte, aber noch nicht viel an Struktur des Syndikats in Dresden vorhanden war. Trotzdem, wir haben die
00:20:35: GmbH gegründet und parallel eben auch den Grundstücks- und Hauskauf sozusagen vorangetrieben, aber die GmbH war gegründet, als wir im Februar 2014 den Kaufvertrag unterschrieben haben dann tatsächlich. Und wie läuft das jetzt mit dem Eigenkapital? Wird das quasi in die GmbH als Einlage? Erstmal kostet ja die GmbH-Gründung 25.000 Euro, die man als Stammkapital einlegen muss. Davon übernimmt dann der Syndikatsverbund 49 Prozent. Das heißt 12.400 Euro. Und selber muss man eben auch die 12.600 Euro aufbringen.
00:21:17: Natürlich kann man die auch einsammeln von Freunden, Bekannten, Familie. So wie wir das ja auch mit Direktkrediten eben tun, auch für die Gesamtfinanzierung des Hauses. In unserem Fall war es so, dass wir aus der Gruppe heraus selber in der Lage waren, auch die GmbH-Gründung zu finanzieren. Es ist im Prinzip für jeden möglich, auch ohne Kapital. Ach, wirklich? Weil es wird niemand dazu gezwungen, irgendwie eigenes Geld mitzubringen in Süddeutschland. Es ist keine Genossenschaft zum Beispiel, wo man Anteile kaufen muss oder sowas.
00:21:57: Okay, aber trotzdem wollte er ja diese 108.000... Irgendwo muss Geld rein. Vor allem kommen da mit Sanierungsk ja wahrscheinlich dann, ich weiß gar nicht. 900.000 in der Summe oder also bald eine Million. Ach wow, okay. In der Größenordnung knappe Million.
00:22:14: Genau, natürlich muss man dann, also wir haben die GNBH-Gründung, konnten wir finanzieren und wir haben dann den Kaufpreis inklusive Kaufnebenkosten, die man ja dann logischerweise auch hat, Notarkosten, haben wir natürlich auch gehabt, Grunderwerbssteuer. Genau, Grunderwerbssteuer. Was da eben dranhängt, waren das dann 210.000 oder 220.000 Euro, die wir am Anfang irgendwie finanzieren mussten. Und das haben wir tatsächlich eben rein mit privatem Geld gestemmt, wobei privates Geld jetzt nicht heißt, dass wir das alles aus der Gruppe finanziert haben,
00:22:52: sondern wir haben eben genau das getan, was die Idee des Syndikats auch ist, dass man Direktkredite einsammelt, dass man Familie, Freunde, Bekannte, von mir aus auch Wildfremde davon überzeugt und sagt, lieber tausend Freunde im Rücken als eine Bank im Nacken. Das ist so der Syndikatsspruch, der ist nicht von mir. Also lieber tausend Freunde im Rücken als eine Bank im Nacken heißt, wenn ich tausend Menschen habe, die mir alle irgendwie ein bisschen Geld geben, muss ja gar nicht viel sein, habe ich in der Summe natürlich auch viel zusammen. Und es
00:23:31: ist ja auch kein Geld, was mir jemand schenken soll, sondern es ist tatsächlich ein Kredit. Ja. Und da wird auch ein Vertrag gemacht und alles. Und wenn er das Geld zurückbraucht, dann wird es ersetzt in der Regel durch jemanden anders, der uns dann einen Kredit gibt oder vielleicht auch zwei andere, die uns dann die Summe als Kredit eben geben.
00:23:52: Was man dazu vielleicht auch noch wissen muss, es ist ein sogenanntes Nachrang-Dauerlehnen, weil wir haben natürlich auch einen Bankkredit, der nicht unwesentlich ist, mit der Ethikbank. Das ist eine sehr kleine, unbekannte Bank, glaube ich. Ja, aber ich kenne das jetzt, bei den Projekten ist meist die GLS-Bank quasi, die das unterstützt. Ja, Ethikbank. Die GLS, genau, die GLS als Genossenschaftsbank ist viel mit Syndikatsprojekten in der Zusammenarbeit.
00:24:19: Wir haben damals die Ethikbank gefunden, die sitzen in Jena. Und haben eben über die den Kredit finanzieren können. Und natürlich auch im Zusammenhang mit KfW-Krediten. Ah ja, und da ging es jetzt vorwiegend dann um die Sanierung, weil den Kauf habt ihr erst selber gestemmt. Darauf haben wir halt einerseits eben aus der Gruppe heraus gesagt, okay, ich kann der GmbH so und so viel Direktkredit geben.
00:24:46: Aber ich habe auch meine Schwester zum Beispiel angesprochen, habe gesagt, das ist unser Projekt, kannst du Geld geben? Hat sie gemacht mit ihrem Mann zusammen. Ich habe andere befreundete Menschen angesprochen. Und das haben die anderen auch alle gemacht. Und auf die Art haben wir erst mal relativ schnell die 200.000 Euro zusammengesammelt und konnten das Haus erst mal kaufen. Das ist echt super. Und waren das dann so 20 oder waren das schon so 100? Weil das stelle ich mir dann von der Orga auch ein bisschen. Ja, 20.
00:25:19: Okay. Und die waren eh aus dem Freundes- und Bekanntenkreis. Also ihr habt jetzt keine Crowdfunding-Kampagne oder…? Ja, die waren aus dem Freundes- und Bekanntenkreis. Das ist auch der wahrscheinlichste Fall, glaube ich. Wenn man einen persönlichen Bezug hat, dass man dann da was tut. Und dann haben wir die Sanierung finanziert. Weil dann waren ja nochmal irgendwie 750.000 Euro oder ich weiß es nicht. Man weiß es ja auch vorher immer nicht ganz genau. Natürlich wir hatten Architekten, mit denen wir uns das hier zusammen angeguckt haben und Pläne gemacht haben.
00:25:56: Unsere Vorstellungen, nächtelang zusammengesessen. Wie soll es werden? Wer braucht was? Wer will Wohnhaus wohnen? Das ist ja dann auch nicht so einfach. Und dann war auch klar, dass wir mehr Platz haben als für die neuen Leute. Also wir haben dann auch schon nach dem Kauf relativ schnell angefangen, die Gruppe zu erweitern. Da sind Leute dazugekommen.
00:26:19: So und dann, das da alles irgendwie abzustimmen und unter einen Hut zu bringen. Und natürlich alles auch im Konsens, also nicht irgendwie hier mit Mehrheitsverhalten und so und dann werden Leute überstimmt, sondern man redet so lange und stimmt sich so lange ab und findet so lange neue Lösungen oder Lösungswege, bis alle damit leben können. Ja, dieser Gruppenprozess, den finde ich bei euch ganz interessant, weil ihr euch ja jetzt über eine
00:26:45: ungewöhnliche Situation kennengelernt habt, jetzt bei dieser Kindergartenbesichtigung. Und oft ist es so, also bei dem anderen Projekt, das ich jetzt interviewt habe, da ist es ein alter Freundeskreis. Das heißt, die kennen sich schon seit Kindestagen und sind quasi auch, was jetzt, ja, halt ein eingespieltes Team, sag ich jetzt mal. Ihr seid ja relativ neu formiert. Würdest du irgendwie eine Gruppe... Also ich stelle mir das manchmal schwierig vor, sich da immer so zu einigen.
00:27:14: Also erstmal sage ich immer, es steht und fällt mit der Gruppe. Weil oft Leute dann über die Finanzierung und wie ist das und dies und das... Es steht und fällt mit der Gruppe. Die Gruppe muss funktionieren. Und natürlich weiß man das vorher nicht. Und man weiß es auch im Laufen nicht. Und Menschen verändern sich.
00:27:33: Und im Zusammenleben ist es anders, als es vorher war. Als man noch nicht zusammen war. Und so weiter und so fort. Das ist allen klar. Und weil es allen klar ist, ist aber eben auch allen, die bei uns im Haus leben, klar, dass man mit der Gruppe immer auch arbeiten muss. Also man muss eben auch den Gruppenprozess bearbeiten und mit denen tun wir auch.
00:27:52: Wir haben regelmäßige Treffen, nicht nur, wo es, also in den Plenar, was ich vorhin angesprochen habe, wo wir 14-tägig Plenum machen. Da geht es mehr um Organisatorisches. Haus, was muss repariert werden oder was braucht es hier, was braucht es da. Aber das Gefühlige, das Emotionale, das wird auch bearbeitet. Da haben wir auch Prozesse, dass wir zum Beispiel einmal im Jahr uns Zeit nehmen für ein Wochenende und alle zusammen wegfahren. Und ein zweites Wochenende im Jahr, wo wir einfach einen Ausflug machen. Also dass man wirklich auch dranbleibt und sagt,
00:28:29: wir unternehmen Dinge miteinander. Okay, aber habt ihr auch so Konflikte, ich sage jetzt mal Mediation? Da haben wir natürlich auch ein paar Tools etabliert oder versucht immer mal wieder Neues. Wir haben auch schon hin und wieder, wir haben es dann Emo-Plenum genannt, von emotional, auch schon mit externer Moderation an solchen Stellen gearbeitet. Ja genau, und sowas habe ich jetzt gedacht. Dass wir dann auch mal Geld in die Hand nehmen und sagen, komm wir holen uns jetzt mal einen Profi, der uns mal einen Tag lang begleitet, ein paar Übungen mit uns macht, mal was ausspricht.
00:29:05: Am Ende wie in jeder Gruppe, wie ein Team auf Arbeit, wie weiß ich nicht. Und wenn man das eben zu Hause, wenn man zusammen wohnt, wo die Privatsphäre so eng auch miteinander verknüpft ist, ist es natürlich umso wichtiger, dass man das macht und dass man da einen Blick drauf hat. Und natürlich gibt es immer Konflikte. Das ist logisch. Das darf man gar nicht negieren oder sagen, das gibt es nicht bei uns. dass man miteinander redet, dass man auch etablierte Tools hat, wie an der Pinnwand, wo man jetzt sagen kann, hier, ich brauche mal irgendwie Gespräch oder mir geht es gerade nicht gut im Haus oder einen Briefkasten, wo man seinen Meckerzettel reinwerfen kann. Auch abgestimmte
00:29:57: Prozesse, wenn man weiß, jetzt da ist so ein Briefkasten, dann muss man natürlich auch regelmäßig reingucken und muss auch sagen, okay, was passiert dann, wenn da was drin ist. Aber ich habe, glaube ich, schon ein bisschen auch rausgehört, dass es auch Menschen waren, die vorher schon in WGs gewohnt haben. Das heißt, die kennen auch, sage ich mal, ein gemeinschaftliches Leben. Genau, also das war jetzt die Ursprungsgruppe, die neun Leute, das waren ja quasi zwei und zwei, wenn man so will.
00:30:27: Das waren die zwei Familien, die sich schon kannten und es waren die anderen Personen, die sich ja auch alle schon auf einem Kontext kannten. Dass doch jeder in der Gruppe eben schon Freundschaften hatte. Bei der Ursprungsgruppe war niemand, der ganz, ganz frisch, ohne irgendjemanden zu kennen, reingekommen ist. Das hat aber dann mit der Erweiterung, also als wir das Haus gekauft hatten und wussten, hier ist mehr Platz, sind ja zu den neun Leuten nochmal sechs, sieben dazugekommen. Und das sind dann der eine oder andere auch aus privaten Verbindungen,
00:31:00: aber eben auch Leute, die sich auf Anzeigen von uns dann gemeldet haben, die uns vorher völlig fremd waren und die quasi einzeln reingekommen sind. Und es hat auch funktioniert. Ah ja, okay, super. Natürlich funktioniert das auch nicht immer. Es gab natürlich auch schon Wechsel im Haus, es sind auch schon Menschen ausgezogen, wobei jetzt von der Ursprungsgruppe sind immer noch acht da. Also von den neun sind jetzt nach zehn Jahren immer noch acht da. Also das ist schon ein gutes Zeichen. Natürlich sind Menschen, die in einer anderen Lebensphase vielleicht noch sind. Ich bin jetzt 49, ich habe drei Kinder. Ich bin sehr gesetzt, soz, wer Mitte 20 gerade sein Studium abgeschlossen hier einzieht, den ersten Job anfängt oder sowas,
00:31:51: der kommt auch irgendwann vielleicht an den Punkt, wo er eine Familie gründet oder wo er nochmal andere Pläne hat, nochmal ins Ausland geht. Ja, das ist dann klar, dass das auf Fluktuationen steht. Und natürlich auch mal jemanden gibt, der sagt, irgendwie komme ich nicht klar mit dieser Gemeinschaftsküche. Was weiß ich? Ja, ja. Das ist klar. Ja, okay.
00:32:12: Ja, super. Dann haben wir das gemeinschaftliche Wohnen auch mal so besprochen, was da so alles auch dranhängt und vor allem, auf was man sich einlassen muss. Also es ist ja auch, glaube ich, so eine Typsache. Man muss es vorher wissen, was kommt da auf mich zu und quasi und dass es auch ein stetiger Prozess ist, in der Gemeinschaft zu leben, in dem man sich stetig wiederfinden muss und das eben auch gemeinsam und auch Konflikte gemeinsam stetig, wenn immer welche da sind, dass man die eben
00:32:39: gemeinsam löst. Okay, super. Jetzt frage ich mal so naiv, wenn jetzt jemand auszieht, der am Anfang quasi Eigenkapital in eure GmbH mit eingebracht hat, wie kriegt der dann wieder das zurück? Genau. Also wenn ich einen Direktkreditvertrag gemacht habe, dann kann ich, kommt drauf an, was drinsteht in dem Vertrag. Entweder ist er sowieso laufzeitbefristet oder er ist halt unbefristet mit einer Kündigungsfrist. Sagen wir, ich habe jetzt 1000 Euro an das Projekt gegeben und in meinem Vertrag steht, ich habe eine Kündigungsfrist von drei Monaten. Dann haben
00:33:17: alle anderen halt drei Monate Zeit, die 1000 Euro woanders herzuholen von einem anderen Menschen oder von zwei anderen Menschen. Ja, wie auch immer. Genau. Und dann kriege ich das Geld zurück. Das ist natürlich auch vertraglich geregelt. Wenn die Auszahlung des Direktkredites die finanzielle Tragfähigkeit des Projektes gefährdet, dann kannst du es nicht zurückkriegen. Das Risiko gehst du ein als Direktkreditgeberin. Also das ist ja vor allem dann, wenn es um große Summen geht, wenn ich jetzt da irgendwie 30.000… Genau, das ist sehr unwahrscheinlich. Deswegen sind wir tatsächlich bestrebt, nicht zu große Summen für Einzelpersonen zu nehmen. Ich bin mir jetzt nicht sicher,
00:33:57: aber ich glaube die größten sind um die 10.000 Euro. Es ist schon auch das Ziel, lieber von vielen verschiedenen Leuten, deswegen 1000 Freunde im Rücken, lieber von vielen verschiedenen Leuten viele kleinere Beträge einzusammeln, weil es dann eben, wenn jemand seinen Vertrag kündigt, nicht so schwierig ist, dann auch das Geld zu ersetzen oder eben auch mal wieder auszuzahlen. Und das ist übrigens auch im Bestand der Projekte, auch wir sind immer wieder auf der Suche nach Direktkrediten. Jetzt zum Beispiel ist der Punkt bei uns, wo die Finanz an einem ganz anderen Punkt, als sie vor zehn Jahren waren. Und jetzt?
00:34:46: Das hat man natürlich auch, diesen Effekt. So, dass wir jetzt überlegt haben, haben das rechnen lassen, auch von der Ethikbank, die gesagt hat, wenn ihr eine Sondertilgung aber 70.000 Euro ist jetzt schon eine ordentliche Summe. Genau, jetzt sind wir gerade dabei zu gucken, kriegen wir die 70.000 Euro zusammen bis Ende April glaube ich, ist das. Wir können das gerne, ihr könnt uns gerne da unterstützen. Genau, also ein kleiner Aufruf an alle Hörer.
00:35:21: Jetzt der Werbeblock hier an der Stelle. Ja, genau. Gar keine Frage. Genau. Und dann würden wir sozusagen mit dem Anschlusskredit wieder in derselben Bahn bleiben. So die 70.000 Euro muss man natürlich erstmal zusammen kriegen. Okay.
00:35:39: Ist aber eben jetzt wiederum bei 15 Erwachsenen, die im Haus leben. Es ist möglich so. Ja, okay. Ja, das ist dann schon immer interessant. Aber spannend, dass ihr diesen Fall habt mit dieser Zinssteigerung, weil natürlich habt ihr damals mit sehr niedrigen Zinsen das gestartet und habt jetzt natürlich eine echte Herausforderung zu organisieren. Ich wollte noch mal auf das Thema, ich nenne es jetzt mal Miete, ich weiß gar nicht, ob das das offizielle Wort ist. Wie macht ihr das mit der Miete? Verteilt ihr das nach Quadratmetern oder nach Personen? Jeder, der im Haus wohnt, bezahlt Miete, wenn er denn kann. Theoretisch wäre es auch möglich, dass jemand hier wohnt und gar keine Miete bezahlt und die anderen finanzieren es solidarisch mit. Wobei natürlich jemand, der keine Miete zahlen kann, in der Regel Miete vom Amt bekommt.
00:36:34: Den Fall haben wir auch schon gehabt natürlich. Aber es kann natürlich auch sein, man hat jemanden Geflüchtetes im Haus wohnen, der gerade nicht in der Lage ist, irgendwie Geld aufzubringen und wo auch irgendwie der vielleicht durch die Raster der Bürokratie fällt und gerade kein Geld kriegt. Also auch das ist möglich. Wie verteilen wir die Miete? Wir haben am Anfang lange darüber nachgedacht und gerechnet und uns die Quadratmeter angeguckt und die Personen und Kinder und müssen Kinder auch. Und haben am Ende jetzt inzwischen über einen leeren Prozess, aber jetzt schon seit vielen Jahren, sind wir dabei, die Miete, wie wir sagen, zu versteigern. Mit Bieter unten.
00:37:19: Wir kennen ja den Betrag, den das Haus im Monat insgesamt kostet. Wir müssen den Kredit bedienen, man zahlt auch in die Solidargemeinschaft ein. Das ist auch noch was, was man vielleicht mal erklären muss, der Kredit schmilzt ja ab, wir bezahlen aber immer gleich viel. Das, was abschmilzt, das, was drüber bleibt, ist jetzt vereinfacht erklärt, geht in den Solidarfonds des Mietzuhäusers Sündikats. Wenn neue Projekte kommen, die kriegen 12.400 Euro für die GmbH-Gründung. Das Geld muss ja auch irgendwo herkommen. Und bildet ihr Rücklagen für Sanierungen oder sowas?
00:37:57: Meines Wissens bilden wir gewisse Rücklagen. Ich bin jetzt nicht Teil der AG Finanzen. Ja, okay. Zurück zur Miete. Genau, also wir versteigern die Miete, so sagen wir das. Wir haben Menschen im Haus, die können auch gut mit IT umgehen. Dann wird da mal schnell ein kleines Programm aufgesetzt mit einer Tabelle, wo jeder drinsteht. Und dann kann jeder in seiner eigenen Zeile sein Gebot eingeben, wie viel Miete er zahlen möchte monatlich. Und man kann erst mal nicht sehen, was die anderen bieten. Dadurch, dass wir sozusagen den Gesamtbetrag kennen, den das Haus kostet an Kreditrückzahlung, an Müllgebühren, an Wasser, an Heizung,
00:38:38: an alles, was dranhängt bis hin zum Internetkosten etc. Wir verteilen alle diese Kosten in einen Batzen und sagen, es sind knapp 5000 Euro im Monat. Und die versteigern wir unter allen Bewohnerinnen des Hauses. Und natürlich inzwischen hat sich das eingespielt, dann kennt man ungefähr so seine Größenordnung, wo man da unterwegs ist. Aber manchmal verändern sich eben Dinge. Man macht dann immer mal eine neue Mietversteigerung, auch wenn jemand neu einzieht ins Haus.
00:39:08: Dann übernimmt die Person, die neu einzieht, nicht einfach den Mietkostenanteil, wie der vorher gewesen ist. Natürlich sagen wir, wenn wir ein Zimmer zu vergeben haben und jemanden neu suchen, ungefähr das ist die Größenordnung, was das Zimmer kosten sollte. Es wäre schön, wenn du das aufbringen kannst, aber wenn du es nicht kannst, hat das nichts damit zu tun, ob du einziehen darfst oder nicht. Sondern wir gucken auf die Person, hast du Bock hier mitzuarbeiten und so. Und diese Mietversteigerung, wie gesagt, das hat sich inzwischen natürlich
00:39:45: ganz gut eingespielt. Wir sagen immer, wir machen maximal drei Runden, dann sollte das Geld zusammengekommen sein. Und meines Wissens war es auch immer so. Ah ja, okay. Und wird das dann auch offengelegt und gibt es da irgendwie so Bauchgrummeln? Wenn eine Runde fertig ist, also wenn alle in einer Runde ihr Gebot abgegeben haben, dann funktioniert der Button unten, auf dem steht tatsächlich das, was du gerade gesagt hast, ich bin neugierig. Wie cool ist das denn? Und dann kann ich sehen, wer wie viel für seine Wohnräume, für das hier Wohnen geboten hat. Und dann kann ich, Und dann zeigt mir natürlich, was liegt dahinter in der Excel-Tabelle.
00:40:25: Die rechnet natürlich sofort aus. Es fehlen noch 317 Euro. Dann geht die zweite Runde los. Und dann weiß ich, was habe ich geboten? Kann ich von den 317 Euro noch ein gewisses Teil drauf tun? Also stellt man sich das von außen so vor, dass dann der eine oder andere dann doch irgendwelche Befindlichkeiten hat, weil er sagt, ich zahle schon zu viel und der andere zahlt zu wenig und keine Ahnung. Aber wie löst ihr sowas? Naja, dadurch, dass ich ja selber sozusagen anbiete, was ich bereit bin anzubieten, kann ich zwar, wenn ich dann gucke und mich vergleiche, genau dieses Gefühl bekommen und mir denken,
00:41:05: wieso bezahlt der so wenig und ich so viel. Aber erstens, ich kann es natürlich lassen mit dem Vergleichen, dann kriege ich das Gefühl nicht, dann denke ich das vielleicht nur. Zweitens kann ich natürlich auch auf die Person zugehen und sagen, guck mal, ich bezahle so viel, du bezahlst so viel und ich weiß, du verdienst auch richtig Geld. Warum? Dann kann er mir das vielleicht sogar erklären.
00:41:30: Sagt, ja, das stimmt, aber ich habe halt noch dies und das und jenes oder so. Also man muss schon auch die Bereitschaft mitbringen, da tolerant zu sein und auch ein bisschen locker zu lassen an der Stelle. Und zu denken, ja, okay, schluck ich jetzt runter. Vielleicht überlege ich mir beim nächsten Mal ein bisschen weniger zu geben, wenn ich mich nicht wohlfühle damit. Und es gibt auch Leute, die bezahlen relativ viel im Vergleich zur Größe des Raumes, den sie bewohnen, weil sie sagen, das ist es mir wert und ich bin bereit mehr reinzugeben. Ich will, dass das Projekt lebt und ich kann das leisten.
00:42:07: Und ja, da kann man auch ein schlechtes Gewissen kriegen. Das ist dann der umgekehrte Effekt. Ah ja, okay. Also danke, dass du uns da so tief einblicken lässt mit dem ganzen Thema. Ich bin da so neugierig, weil ich mir denke, das sind da ja immer die Fragen, die ja auch junge Gruppen dann auch haben, wenn die sich formieren. Wie regeln wir das alles und wie lösen wir das? Vor allem auch, wenn jetzt Gruppen zusammenkommen, die vielleicht ganz unterschiedliche Einkommensstufen haben. Genau, deshalb finde ich das echt sehr spannend und
00:42:35: sehr ehrlich. Vielen Dank. Jetzt hatten wir gerade das Thema Miete, was mich jetzt natürlich auch interessieren würde, wenn man in einer Gemeinschaft lebt und ihr ja eben auch Gemeinschaftsküchen habt. Also ich kenne das nur aus meiner alten WG. Ich habe auch in einer großen Neuner-WG gelebt. Ein Thema, das man auch immer hat, sind die Haushaltskosten, also wie man mit den Lebensmitteln und alles, was im Haushalt so anfällt, umgeht. Wie habt ihr denn das geregelt? Genau, wir haben relativ viele Dinge, die wir gemeinsam einkaufen und auch gemeinsam finanzieren. Wir sind Ernteteiler, so heißt das bei der solidarischen Landwirtschaft.
00:43:11: Kenn ich, ja. Da haben wir hier auch ein kleines Depot bei uns in einer alten Garage, wo dann auch andere Menschen kommen und sich ihren Anteil abholen. Wir lassen relativ viel uns liefern und bezahlen gemeinschaftlich haben dafür eine sogenannte Essenskasse, in die auch nach Vertrauen und eigenem Ermessen eingezahlt wird, wobei wir da auch wissen, wie viel wir ungefähr brauchen und dann kann jeder auch einschätzen, wie oft bin ich zu Hause, wie viel konsumiere ich zu Hause oder wie viel muss ich hier reintun. Da liegt auch ein Kassenbuch drin,
00:43:43: das man zumindest einträgt, wie viel man reingeht. Das ist eine Barkasse? Ja, das ist eine Barkasse, genau. Ah, okay, weil ich jetzt gedacht habe, mit dem Lieferfett, also das wird wahrscheinlich ja abgebucht,
00:43:53: ob das nicht über ein Konto läuft. Ja, da gibt es Leute, die auch privat dann sozusagen eher überweisen, Die übernehmen die dann dafür im Kassenbuch nur ihr Kreuzchen machen. Das ist auch auf Vertrauensbasis. Also das wird jetzt nicht überprüft, hast du diese Woche eigentlich deine XY Euro da eingezahlt. Und wir hatten da an der Stelle auch schon manchmal Fehlbeträge, größere, weil es einfach nicht reichte das Geld. Was haben wir gemacht? Wir haben es genauso versteigert wie die Miete. Hier fehlen jetzt 500 Euro. Lasst uns mal gucken, wie viel jeder hier beitragen kann oder will, damit das ausgeglichen wird. Weil das ist ja
00:44:34: dann auch so, dass ich habe vielleicht das Gefühl, ich habe immer eingezahlt, ich will gar nicht. Zum Thema Sanierung wollte ich jetzt noch ein paar Fragen stellen. Ihr hattet ja dann das Haus gekauft, mit einem Architekten dann die Sanierung geplant und dann ja auch wirklich eine ordentliche Summe noch mal finanziert. Wie lange habt ihr saniert? Und war das, also bei der Summe war das ja, wie es sich anhört, eine richtige Kernsanierung? Ja, war es tatsächlich. Wir haben das Haus gekauft, den Vertrag unterschrieben, Februar 2014, dann über das Jahr 2014 geplant. Also ein gutes Jahr lief die Sanierung auf jeden Fall, eher anderthalb, bis es dann wirklich fertig war.
00:45:15: Ich kann sagen, eingezogen sind wir Ende 2015. Fertig war es aber erst ein halbes Jahr später. Über dieses Jahr 2015, das war so die Hauptzeit der Bauphase, da waren wir tatsächlich auch fast jedes Wochenende hier. Haben versucht, das, was möglich war, in Eigenleistung zu machen. Auch wenn, das hatte uns auch unser Architekt und die Architektinnen, es waren zwei, auch schon eigentlich mit auf den Weg gegeben, haben wir gesagt, ihr könnt, macht Eigenleistung, weil es auch für die Gruppe wichtig ist. Finanziell bringt es ein bisschen was, aber nicht in Größenordnungen.
00:45:57: Klar, wir haben schon auch, also das kann man jetzt sehen, wie man will, was ist eine Größenordnung, Aber wir haben schon auch richtig Dinge da getan, wie Dach selber abdecken, wo sicherlich Geld wirklich ist. Ja, also die Entkernung ist ja auch was, was man ausreißen kann. Und auch Wände rausreißen, auf dem Dachboden die Fußböden aufgerissen, diese Schüttungen rausgeschaufelt und so. Also auch Drecksarbeiten, die aber natürlich dann schon auch finanziell was bringen, keine Frage.
00:46:28: Ja, Größenordnung, wenn ich jetzt irgendwie ein Gesamtvolumen von 900.000 Euro habe und habe dann irgendwie am Ende in der Eigenleistung vielleicht 60.000 erarbeitet, ja, es ist schon eine Größenordnung. Und dann eben die Gewerke, die hier nach und nach durchgegangen sind. Natürlich hat das auch nicht alles so gewutscht, wie man sich das vorstellt. Und wir hatten zwischendurch auch mal einen Baustopp vom Bauamt, weil die mit irgendwas nicht zufrieden waren und dann noch Anträge nachgestellt werden mussten.
00:46:57: So, wo sich das dann um drei Monate verzögerte. Und dann kommt man mit den Krediten in die Prädulie, weil man sie einerseits abrufen und verwenden muss. Ach so, mit diesen Zinsen, Bereitstellungszinsen. Genau, und weil man sonst natürlich auch irgendwann, man muss ja auch irgendwann anfangen den Kredit zu bedienen. Und wenn man selber noch nicht im Haus wohnt, also noch seine alte Miete zahlt,
00:47:20: hat man eine Doppelbelastung. Das wollten und mussten wir natürlich auch vermeiden, haben wir auch hingekriegt am Ende. Aber genau, das ist dann schon ein Balanceakt und alle Nerven sind angespannt und man trifft sich regelmäßig, häufig und diskutiert und spricht. Und das war auf jeden Fall eine anstrengende Zeit, aber auch natürlich eine sehr inspirierende Zeit und die einen auch zusammenschweißt und so. Das ist klar. Ja, das glaube ich. Da muss man dann auch jetzt in der Gruppendynamik aufpassen. Jetzt, wo eben die Leute, die von Anfang an dabei waren und die genau dieses Initial irgendwie miterlebt haben und diese Stärkung dann nicht irgendwie in der Hierarchie. Also eigentlich keine Hierarchie, aber natürlich hat man Gruppendynamiken,
00:48:07: dass Menschen, die neu dazukommen, auch wirklich die Chance haben, sich als gleichwertig zu empfinden und irgendwie so reinzuleben. Natürlich braucht das ein bisschen Zeit immer. Und wie ist das mit so einer großen Gruppe, eine Sanierung zu planen? Weil bei einer Baustelle entscheidet man ja auch ganz viel. Da geht es ja auch um Geschmack. Also nicht nur, aber oft dann doch.
00:48:33: Wie habt ihr das gelöst? Oder wart ihr euch da total einig, dass der Fußboden so und so aussieht und die Einrichtung so und so. Also, einerseits erstaunlicherweise und andererseits ist es auch wieder nicht erstaunlich. Aber das sind die tatsächlich längsten und größten Diskussionen. Welcher Fußboden kommt jetzt in die Gemeinschaftsküche? Und wenn man dann irgendwie sagt, okay, wir machen da Linoleum rein.
00:48:56: Gut, haben wir uns darauf gar nicht, welche Farbe soll dieses Linoleum haben? Da kommt man, es ist unglaublich. Das ist viel länger und ausdauernder diskutiert, als die Frage, müssen wir das Kellergeschoss eigentlich außen dämmen oder nicht? Es würde uns 30.000 Euro sparen, den Keller nicht zu dämmen. Okay, abgewunken, keine Kellerdämmung. Aber was für eine Frage hat der Fußboden in der Küche? Ja, solche stilistischen Fragen waren mitunter. Aber ihr habt sie gelöst?
00:49:29: Wir haben sie gelöst. Okay, wunderbar. Genau, weil das ist, glaube ich, wo jeder auch so ein bisschen bei so einer Sanierung oder generell beim Bauen, Sanieren geht es ja auch um Gestaltung und jeder will sich verwirklichen und jeder hat so ein bisschen andere Träume und da muss man natürlich, allein schon, wenn man nur zu zweit als Paar so was macht, ist schon manchmal herausfordernd. Und ich kann mir vorstellen, wenn es zu neunt ist, dass man da auch kompromissbereit sein muss. Ja, das war dann schon eher 13, 14.
00:49:56: Achso, dann war es ja schon 13, 14. Ja, genau. Und die Räume im Haus waren vorher verteilt. Also wir wussten, wer welche Privaträume bekommt und da hat man dann schon auch Einfluss genommen. Das nicht unbedingt auch in jedermanns Sinne. Also ich weiß, es gibt auch Gruppen, die sagen, nee, wir verteilen vorher nicht. Wir machen erstmal das Haus fertig. Wir machen im Großen und Ganzen überall denselben Standard, damit eben diese Wartwünsche da irgendwie rein spielen. Weil am Ende, ja, auch ich werde irgendwann vielleicht hier ausziehen und dann zieht sich jemand anderes ein. Ja, aber ich glaube, so ist man so ein bisschen gepolt, dass man,
00:50:36: wenn man sein Reich hat, dann möchte man es halt auch irgendwie auch schön haben. Das ist jetzt auch nichts Verwerfliches, meines Erachtens. Das stimmt. Also was ich zum Beispiel gemacht habe, ist, als das losging mit dem Haus und den Überlegungen dazu, ich habe mich mit meinem besten Freund darüber unterhalten und habe gesagt, nimm es nicht persönlich, aber ich will nicht mit dir zusammen wohnen. Ah ja, okay. Also ich bin hier dann ja mit, es waren ja auch Freunde dabei, die mit eingezogen sind.
00:51:07: Ja. Also die allerengsten, dicksten Kumpels, wo ich dachte, nee, wenn du in so eine Gruppe gehst und dann da schon das so vorgeprägt ist und wenn man sich darüber dann verstreitet, das ist nicht gut. Ja. Das habe ich bewusst vermieden. Man muss an und mit der Gruppe arbeiten. In der Gruppe. Damit, wenn jemand Probleme hat, das schnell offensichtlich wird und man es dann auch bearbeiten kann, damit es nicht erst einsickert, Gruppe und sich vielleicht auch Lager bilden und so was. Das ist ja dann immer das, was die Spaltung vorantreibt, was man vermeiden muss. Also kann ich gerne dann jetzt noch mal wiederholen, was ich am Anfang auch gesagt habe.
00:51:51: Es steht und fällt mit der Gruppe. In der Tat ist das, glaube ich, wirklich so ein wahres Resümee, was du da ziehst, weil das Finanzierungsthema und Bauen und Sanieren, das ist, glaube ich, alles einfacher, wenn die Gruppe einfach gut funktioniert und gut zusammenhält. Aber es kann eben auch alles zum Scheitern bringen, wenn eben die Gruppe dann nicht funktioniert oder sie spaltet oder zwei Lager sich bilden. Dann kannst du das, also dann
00:52:18: ist es einfach schwierig. Absolut. Vielleicht nochanke. Gut funktionieren heißt nicht, dass alle sich lieb haben und Aichi Pumbaichi sind. Ah ja, okay. Gut funktionieren heißt, dass man auch in der Lage ist, sich die Meinung zu sagen und es auch auszuhalten. Und dann eben auch Lösungswege zu finden. Bereit darüber zu diskutieren, sich nicht irgendwie einzuigeln, Tür zu zu machen und zu sagen, kannst mich mal? Also eine gewisse Offenheit von allen einzelnen Mitgliedern. Aber es müssen sich nicht alle liebhaben. Man muss auch in der Lage sein, in den Konflikt reinzugehen und ihn auszutragen.
00:53:00: Man kennt es ja alles auch aus dem Berufsleben, dass man mit unterschiedlichen Menschen irgendwie zusammen funktionieren muss, sage ich jetzt mal. Der einzige Unterschied bei dem Wohnprojekt ist es halt, dass es in deinem innersten inner circle, sage ich jetzt mal, so stattfindet, dass man das eben im ganz privaten hat. Und da glaube ich gibt es einfach unterschiedliche Menschen, die haben da kein Problem damit und andere sagen, nee, das ist mein innerer Kreis und mit dem, den will ich lieber alleine haben, da will ich keine Kompromisse und keine Konflikte ausbaden. Der muss so ganz starr sein. Und dann, lass es bitte mit dem Wohlprojekt. Ja genau, und das glaube ich, ist wirklich so das Essentielle, dass man da sich überlegen muss, bin ich der Typ dafür oder bin ich es nicht? Weil wenn man da schon merkt, okay, oh, die machen da immer Plenum und diskutieren da
00:53:47: rum und das eher belächelt oder sich denkt, oh je, je, dann ist das, glaube ich, schwierig. Also ich glaube, man muss da wirklich diese Entscheidung ganz bewusst bei sich starten, unabhängig davon, ob sich dann rechnet oder wie man sich das alles dann so anders noch vorstellt. Ich glaube, das ist wirklich so eine Typsache, die man für sich entscheiden muss. Und im Falle des Mietzuhäuser-Syndikats ist es auch ein bisschen eine politische Entscheidung. Ja.
00:54:13: Dass eben dieser Grundgedanke, die Häuser sollen weg vom Immobilienmarkt, sie sollen den Menschen gehören, die da drin leben. So, das ist schon, ich sage es mal, eine linke Idee. Das ist kein Rentenmodell oder sowas. Man kann damit nichts verdienen und man soll auch damit nichts verdienen. Wohnen ist halt ein Grundrecht und ein Grundbedürfnis Menschen. Das ist keine Ware, mit der Profit gemacht werden soll. Das ist eine politische Einstellung oder vielleicht auch eine
00:54:47: Lebenssicht. Und wenn man das nicht zeigt, ist das im Integrat natürlich nicht der richtige Partner. Ja, das ist noch gut, dass du das ergänzt, weil ich glaube, das schwingt zwar immer so ein bisschen mit. Ich glaube, man merkt es dann schon, welche politische Richtung das ganze Thema hat. Aber natürlich muss man das auch mittragen, wenn man sich damit beschäftigt. Genau, und man muss natürlich auch eben Arbeit reinstecken in jede Klinge. Egal ob es in die Gruppe ist, ins Haus, ins Zusammenleben, in alles einfach so.
00:55:18: Es bindet natürlich auch Zeit, muss man auch bereit sein zu. Ja, das stimmt. Super, Tillmann, vielen, vielen Dank für dieses schöne, ehrliche, tiefe Gespräch über euer Projekt, das ihr quasi aufgezogen
00:55:34: habt und jetzt drin lebt und ja wirklich von der Vision in die Realität geholt habt. Also ihr lebt da ja schon seit 10 Jahren drin, finde ich wirklich ganz toll. Also Hut ab, dass ihr das so gut gemeistert habt.
00:55:45: Und finde ich auch ganz spannend, dass du auch so viel erzählt hast, wie ihr das auch wirklich jetzt im Alltag lebt, dass man so weiß, ah, okay, und so läuft es dann ab, die selber gerade da stehen, wo ihr vor 12, 13 Jahren standet. Die überlegen, ah, das wäre doch eigentlich ganz schön, so einen Kindergarten zu steigern. Und das jetzt mal so nach 10 Jahren Revue passieren zu lassen und genau, das finde ich wirklich sehr, sehr cool. Also vielen, vielen Dank. Danke, danke gleichfalls. Dankeschön. So, Dalla, das war das Interview mit Tillmann vom Wohnprojekt 42.
00:56:33: So cool, oder? Lernen sich bei einer Besichtigung eines alten Kindergartens kennen und gründen dann ein eigenes Wohnprojekt. Ich finde, das ist eine richtig coole Geschichte. Ja, und wer sich von euch jetzt noch weiter für Wohnprojekte interessiert, dem kann ich schon mal so viel verraten. Die nächste Folge ist auch randvoll mit Learnings und Insights, denn ich habe die Anwältin
00:56:54: Angelika Maischwan-Rummel zu Gast, eine spezialisierte Beraterin für Wohnprojekte. Ja und die plaudert mal so richtig aus dem Nähkästchen. Sie verrät uns die drei größten Fehler von Wohnprojekten, die sie in den letzten Jahrzehnten beobachtet hat und sie nennt uns auch zwei konkrete Webseiten, wo aktuelle Wohnprojekte ausgeschrieben sind und auch Mitstreiter suchen. Also seid gespannt! Ja und jetzt noch in eigener Sache, ich brauche eure Ideen.
00:57:21: Ich bin gerade am brainstormen, welche Themen und Interviews für euch auch noch spannend sind. Also verratet mir doch mal, welche Fragen euch wirklich unter den Nägel brennen. Dann suche ich nämlich für euch den passenden Interviewpartner und mache hier eine Folge dazu. Also stoppt mal ganz kurz die Folge, geht zu Spotify oder Apple und schreibt mir neben einer kurzen Bewertung auch euren Themenvorschlag in die Kommentare. Das wäre wirklich cool, denn ich brauche ein bisschen Inspiration. Ja und falls ihr jetzt noch Freunde
00:57:50: und Bekannte habt, die das Thema Wohnprojekte oder gemeinschaftliches Wohnen auch interessieren könnte, dann teilt doch diese Folge mit ihnen. Also bis zum nächsten Mal, ich freue mich auf euch. Bis dann, ciao! Transcribed with Cockatoo
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