Auf diesen Grundstücken sind TinyHouses realistisch - Interview mit Stadtplaner Martin Frank #50
Shownotes
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00:00:26: Challenge ist es hier, das passende Grundstück für sein Tiny House zu finden. Ja und hierfür habe ich den Architekten und Stadtplaner Martin Frank eingeladen, von dem wir heute einiges lernen können. In dieser Folge erfahrt ihr nämlich, wo ihr sicher kein Tiny House hinstellen dürft und warum das so ist und wo ihr mit höherer Wahrscheinlichkeit ein Tiny House bauen dürft. Zudem erklärt uns Martin, an welche Stellen ihr euch dann wenden müsst, wenn ihr ein
00:00:51: konkretes Grundstück im Auge habt und was ihr dann zu tun habt und wir erfahren, was der Begriff Einfügen in die nähere Umgebung, das im Bauchrecht gerne verwendet wird, wirklich so konkret bedeutet. Also spitzt die Ohren, wenn ihr über das Thema Tiny House nachdenkt und genauer erfahren wollt, welche Grundstücke dafür überhaupt in Frage kommen. Ja, bevor es jetzt losgeht, schicke ich noch einen Geburtstagsgruß nach Neuseeland zu meiner besten Freundin Jenny.
00:01:19: Die ist da gerade frisch ausgewandert und hat über ihre Auswanderung und ihre Reise dahin, die sie mit dem Zug 4000 Kilometer gemacht haben, auch einen Podcast gestartet, der nennt sich so ähnlich wie meiner Holy Sheep Neuseeland. Ich verlinke den auch mal in den Shownotes. Ja, hört euch da rein und dear Jenny, alles, alles Liebe zum Geburtstag, liebe Grüße hier aus Deutschland.
00:01:46: Ich begrüße heute Martin. Hallo Martin. Hallo, schön, dass ich da sein kann. Ja, danke, dass du die Einladung angenommen hast. Martin ist 43 Jahre alt und arbeitet als Architekt und Stadtplaner im Bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr. Dort ist er im Städtebau tätig und befasst sich eben auch mit dem Thema Baurecht.
00:02:12: Und spannenderweise unter anderem auch mit dem Thema Baurecht für Tiny Houses. Deshalb freue ich mich total, dass du dir Zeit nimmst und uns ein bisschen aufklärst über das Thema, weil man hört ja immer wieder, dass ja eine ungewöhnliche Sache ist so ein Tiny House und deshalb freue ich mich, dass du heute mal hier deine Expertenmeinung dazu äußerst. Ja, super. Ja, freut mich, dass ich die Expertenmeinung kundtun kann. Als Architekt und Stadtplaner ist das ja ein interessantes Thema, sich mit so Kleinstformeln auseinanderzusetzen.
00:02:45: Und ich bin heute hier jetzt als Architekt und Stadtplaner weniger von meiner Arbeit her. Das ist sozusagen meine Privatmeinung, die ich heute kundtue. Einen Hinweis noch, also ich bin kein Jurist, sondern eben Architekt. Dementsprechend habe ich immer eher die technische Seite im Blick und werde da aus der Seite auch das Baurecht betrachten. Ah ja, okay. Ja, beim Thema Tiny House, das ist ja so das Erste. Man sieht diese wunderschönen Bildbände, wo dann diese kleinen Häuser in schönen Landschaften eingebettet oft in den Bergen oder am Meer irgendwie sind. Das ist auch so ein bisschen ja auch dieser Reiz, dass man da eben so ein Freiheitsgefühl hat. Jetzt wäre so meine erste Frage, wenn man jetzt diese Bildbände da so durchblättert, ist es eigentlich in Deutschland überhaupt realistisch, dass man
00:03:29: sich da einfach so ein Grundstück irgendwo, ich sage jetzt mal in den Bayerischen Alpen, kaufen kann und sich da einfach ganz verlassen so ein kleines Häuschen draufstellen kann? So einfach ist natürlich nicht, aber generell die Idee eines solchen Hideaways ist natürlich toll, oder? Du hast ja diese Bildbände erwähnt, die wir kennen, die sind meistens an irgendwelchen Szenen aufgenommen, oft in Schweden oder in Kanada, also weite Landschaften mit wenig Bevölkerung, die nicht stark bebaut sind.
00:03:58: Bei uns ist das ja ganz anders. Und das gilt sowohl für Bayern als auch für den Rest Deutschlands. Wir haben relativ dichte Bebauung, wir haben relativ viele Leute auf wenig Fläche und dementsprechend kann ich einfach nicht überall bauen. Und es ist gänzlich unrealistisch, sich jetzt irgendwo in den Alpen, irgendwo auf 2000 Meter ein Grundstück zu nehmen und dann ein Haus hinzubauen. Was sind denn so Gründe, warum das jetzt nicht möglich ist, aber in Neuseeland oder
00:04:26: Kanada ist es dann trotzdem möglich? Weil ich bin ja trotzdem in der Natur jetzt irgendwo. Warum wird das jetzt generell nicht so erlaubt? Was ist denn der Grund? Ja, also das einfachste wäre zu sagen, das ist rechtlich nicht erlaubt, aber das hat ja immer einen Hintergrund, also wir haben eine Gewaltenteilung und da hat sich ja der Gesetzgeber dafür
00:04:46: entschieden, dass man eben nicht überall bauen soll. Und ein wesentlicher Grund ist, dass man diese Landschaften, die Naturräume, dass die unzerschnitten bleiben sollen, dass die für Nahrungsmittelproduktion dienen sollen, aber vor allem auch, dass ich Natur schütze und letztendlich kompakte Siedlungen habe, wo die Leute auf kurzen Wegen zu den Infrastruktureinrichtungen kommen, zur Schule, zur Arbeit. Und dem widerspricht der Gedanke, dass ich jetzt ganz des Pairs überall in der Landschaft
00:05:17: bauen kann. Das ist eigentlich so der Grundgedanke, der da dahinter steckt. Also man schützt eigentlich so ein bisschen die Natur vor dem Menschen, dass der einfach überall sich niederlässt und auch so Flächen dann vielleicht für sich einnimmt und auch ein bisschen Müll hinterlässt. Genau, so ist es. Also das ist die Schonung des Außenbereichs, so steht es dann letztendlich im Gesetz. Also da gibt es ja verschiedene Gesetze, die da zugrunde liegen. Naturschutzrecht, da gibt es das Baurecht. Und das ist der Fokus, den wir da haben, dass wir letztendlich sagen,
00:05:45: es soll an die, das Bauen soll gebündelt werden an bestimmten Stellen und dafür sollen die Natur auch gebündelt werden und dafür braucht es halt eine Unzerschnittenheit und einen Zusammenhang. Und das gilt auch für die Landwirtschaft. Wir haben jetzt den Ukraine-Krieg, wir machen uns viel mehr Gedanken darüber, wie wir Nahrungsmittel produzieren und da ist es eben wichtig, dass wir Landschaft auch für Landwirtschaft frei halten. Ah ja, okay. Bei dem Thema Tiny House ist es ja auch immer so, die Vorteile, die werden ja auch in den Medien und auch von unterschiedlichen bekannten Persönlichkeiten ja auch immer ganz
00:06:18: schön vorgestellt, dass es eben auch um reduzierten Wohnraum geht, Minimalismus, Einfachheit und natürlich in der Summe auch geringere Kosten für das Thema Bauen. Stimmst du dem so mit ein und was sind eigentlich Nachteile vom Tiny House? Ja, ich würde das auf zwei Ebenen betrachten. Das eine sind die ganzen technischen Fragen, die du angesprochen hast, ja schon mit der geringeren Grundfläche, mit den Kosten und das andere ist so eine Haltungsfrage dazu. Und ich würde vielleicht mal mit dieser Haltungsfrage anfangen.
00:06:48: Im Prinzip ist ein Tiny House ein Einfamilienhaus oder ein Haus für eine einzelne Person auf sehr geringer Grundfläche und dem liegt eine Haltung zugrunde, dass ich ein eigenes Haus besitzen möchte, in dem ich wohne, in dem ich selbstbestimmt bin. Und im Prinzip ist das ja was, gerade wenn ich es in die Natur raussetze, wo ich mich auch ein bisschen von der Gesellschaft oder Gemeinschaft ja distanziere. Das sehe ich kritisch. Man kann auch Einfamilienhäuser kritisch sehen. Da gibt es Sachen, die dafür und dagegen sprechen, auch bei dem Thema Tiny House so eine gesellschaftliche Diskussion aufmachen, in welchem Kontext man das sieht. Also steht das Tiny House in einem Ort drin, ist es eine Nachverdichtung oder steht es auf der freien Wiese irgendwo in der Natur,
00:07:35: dann habe ich damit auch gesellschaftlich so ein bisschen ein Thema. Das stimmt, also ich habe eine geringere Grundfläche, ich habe teilweise extrem geringen Fußabdruck, wenn ich das in Holzbauweise mache, das ist ja durchaus positiv. Auch kommt es ja aus dem Nachhaltigkeitsgedanken. Viele Leute wollen ja sich verkleinern, wollen nicht so viel Fläche in Anspruch nehmen und das ist im Prinzip auch richtig, das können Tiny Häuser, Aber es kommt sehr darauf an, wie es gemacht ist. Und es macht einen Unterschied, ob ich ein Tiny House mit einem Holzofen beheize oder mit einem Ölofen oder mit Strom oder mit Solar. Da muss ich mir sehr genau Gedanken machen. Und vor allem, und das ist mir immer wichtig zu sagen, wenn es um Architektur geht, ein Haus steht nie für sich alleine.
00:08:18: Das ist nicht wie ein Kleidungsstück, das ich kaufe oder wie ein Auto, sondern das hat ja einen Kontext. Und diesen Kontext muss ich betrachten und dann kann ich schauen, ob das positiv oder negativ ist. Das heißt, man kann das eigentlich gar nicht so pauschal sagen, ein Tiny House ist jetzt gut oder schlecht, sondern das hat einfach verschiedene Aspekte. Und ein Aspekt ist eben die Eingebundenheit der Kontext, wo es steht. Genau, und da würde ich jetzt schon mit dir vielleicht auch gerne mal so ein paar Fälle durchgehen, was jetzt prinzipiell so erlaubt ist und was eigentlich
00:08:50: auch nicht. Fangen wir doch jetzt mal draußen auf dem Land an. Man nennt es ja in der Fachsprache auch Außenbereich, wenn ich das jetzt so richtig mir angelesen habe. Vielleicht kann man ja so Schritt für Schritt dann mehr in die Stadt reingehen und dann lernen wir ja auch jetzt so ein bisschen die Facetten dann auch kennen. Also Außenbereich ist quasi ja ganz draußen für mich jetzt irgendwie ab vom Schuss irgendwo vielleicht in der Nähe von einem Wald oder von einem schönen See. Da ist jetzt eine landwirtschaftliche Fläche, aber vielleicht der Bauer braucht diesen Acker nicht mehr, der würde mir den jetzt verkaufen und ich wäre da so schön
00:09:22: abgeschieden, ja irgendwo, ich sage jetzt mal, in der fränkischen Schweiz. Wäre das jetzt generell möglich, dass ich mir da so ein Tiny House draufstellen kann? Also grundsätzlich nicht möglich. Ja. Könnte es sehr konstruierte Ausnahmefälle geben, aber man muss davon ausgehen, dass wenn ich irgendwo einen Acker habe, der abseits vom Siedlungsgebiet liegt, dass ich darauf kein Tiny House stellen kann, in dem ich dauerhaft wohne. Also das funktioniert nicht. Und es funktioniert auch nicht mit einem Campingwagen, weil in dem Moment,
00:09:53: wo ich den Campingwagen beispielsweise da hinstelle und der dauerhaft dort steht, betrachtet man den wie ein normales Gebäude. Und was dagegen spricht, ist das sogenannte Bauplanungsrecht. Also das ist ein Bundesgesetz. Das gilt für Deutschland bundesweit. Und da ist geregelt, dass ich im Außenbereich in der Regel nicht bauen darf. Und es gibt nur explizit formulierte Ausnahmen, beispielsweise Landwirtschaft oder gartenbauliche Betriebe oder Sonderfälle wie Windkraftanlagen. Also die darf ich im Außenbereich bauen, weil die müssen dort sein, aber ein Tiny House muss eben nicht dort sein und dementsprechend
00:10:31: darf man es dort nicht bauen. Wie ist das dann aber, ich habe irgendwie mal gehört, wenn man das Räder hat oder wenn man das nur für ein Wochenende oder Ferienhaus nutzt, dass es da irgendwie anders ist? Ja, da diskutiert man ja dann immer drüber, was passiert mit einem Wohnwagen oder wenn ich die mal kurz irgendwo hinstelle. Das ist wie Camping oder wenn ich Dauercamper habe auf Campingplätzen. Prinzipiell könnte ich mit so einem Tiny House auch Dauercampen, das könnte funktionieren, aber das hat dann mit diesem Campingplatz zu tun, wie der organisiert ist, was für eine planungsrechtliche Bewertung der hat, aber auch da gilt, ich kann nicht meinen
00:11:07: Campingwagen irgendwo hinstellen in der Natur. Das merkt jeder, der mal Silfensteinspeicher fährt und da mit seinem Bus stehen bleibt, der kommt dann ins Landratsamt und schickt einen wieder heim oder zum nächsten Campingplatz, weil das geht einfach nicht. Das ist halt bei uns nicht erlaubt, da muss man nach Schweden fahren, da ist es wesentlich einfacher. Ah ja, okay. Und der Grund ist natürlich dieser Naturschutz. Also das haben wir ja schon vorher besprochen. Okay, wenn ich jetzt einen Schritt weiter reingehe, also ich habe jetzt diesen Außenbereich, okay, da ist es nicht erlaubt. Jetzt gehen wir mal so ein bisschen mehr in
00:11:36: so eine Gemeinde rein. Da gibt es dann zum Beispiel ein Grundstück, das quasi in der Gemeinde zu zwischendrin einfach frei ist oder am Stadtrand, sag ich jetzt mal oder Gemeinderand. Wie ist es jetzt da? Darf ich da jetzt ein Tiny House draufstellen oder an was, auf was muss ich da jetzt aufpassen? Ja, jetzt wird es ja interessant. Also jetzt kommen ja auch die Bereiche, wo man sagt, da könnte ein Tiny House auch wirklich gut helfen, Wohnraum zu schaffen. Und jetzt muss ich genau schauen, bin ich eben im Außenbereich oder bin ich noch bin ich im sogenannten Innenbereich. Der Innenbereich, das ist ein bebauter Bereich, der einen gewissen Zusammenhang hat. Da ist es sehr viel einfacher. Da gibt es dann zwei Varianten, das erkläre ich gleich. Wenn es Außenbereich ist und das kann gerade am Ortsrand auch sein, wäre
00:12:21: immer der Gedanke, dass ich als erstes mal mit der Gemeinde spreche, wie die das sieht, was die dafür im Bezug dazu hat, auch um zu wissen, was für ein Baurecht da vielleicht herrscht. Die können einem da helfen. Das ist die eine Instanz ist die Gemeinde und die andere Instanz ist die untere Bauaufsichtsbehörde, Und jetzt sozusagen für die, die sich dafür interessieren, nochmal ein bisschen genauer. Wenn ich ein Grundstück habe, dann muss ich
00:12:55: schauen, gibt es da einen Bebauungsplan oder gibt es da keinen Bebauungsplan? Also im Bauplanungsrecht wird geregelt, wo und was gebaut werden darf und wenn ich einen Bebauungsplan habe, dann steht da explizit drin, ich darf auf einem Baufenster ein Haus bauen, das dem Wohnen dient beispielsweise. Und dann ist es relativ einfach, wenn ich dann die Vorgaben des Bebauungsplans einhalte und die haben eher limitierende Faktor, eher nach oben, dass ich sage, ich darf nicht zu hoch bauen oder ich darf nicht zu groß bauen. Da hat man dann meistens ganz gute Karten. Wenn dann so ein Tiny House diesen Bebauungsplan spricht, funktioniert das. Also das wäre die eine Möglichkeit. Und der zweite Fall ist,
00:13:33: das nennt sich der Paragraph 34, der unbeplante Innenbereich. Und unbeplant heißt in dem Fall, es gibt keinen Bebauungsplan. Und jetzt wird es schwierig, da richtet es sich dann nach der Umgebungsbebauung. Da muss ich mir schauen, was ist außenrum. Gibt es da so Baulinien? Also wenn ich da mehrere Gebäude in einer Reihe habe und dann habe ich da eine Baulücke, dann muss ich schauen, passt das hinter diese Baulinie rein?
00:13:58: Das ist natürlich schwieriger zu beurteilen. Da tut sich vielleicht der Laie schwer, da muss man vielleicht mal mit einem Baurechtler oder mit einem Architekten oder mit der Gemeinde eben mal sprechen und sagen, wie seht ihr denn das? Gibt es da eine Möglichkeit? Also das ist ja vielleicht dann schon ab und zu mal so eine Streuobstwiese, die irgendwo da so in so einem kleinen Dorf eher so am Rand ist, wo man dann vielleicht nicht weiß, ist das jetzt Bauland oder ist das nicht Bauland? Und wie mache ich das dann? Das schreibe ich der Gemeinde? Ich hätte Interesse oder mach mal da, ich habe das Wort Bauvoranfrage auch schon mal gehört. Wie mache ich es konkret? Ja genau und jetzt bewegen wir jetzt, also jetzt wird es
00:14:36: wirklich kompliziert rechtlich. Also Bauplanungsrecht habe ich ja schon erklärt, wo und was darf ich bauen? Also da ist die Grundlage gelegt, was ich machen darf. Und jetzt hast du die Bauvoranfrage benannt, das ist dann Bauordnungsrecht. Das ist dann, wie darf ich bauen und wie funktionieren die ganzen Genehmigungen. Das Komplizierte daran ist, es ist in allen Bundesländern unterschiedlich. Ah, okay. Ähnlich, aber unterschiedlich. Und da gibt es zum Beispiel eine Sache in Bayern, dass ich für Gebäude bis 75 Kubikmeter keine Baugenehmigung brauche. Okay, 75 Kubikmeter, fällt da so ein Tiny House drunter? Ja,
00:15:14: könnte drunterfallen, oder? Wenn ich mir so rechne, was für Abmessungen das sind, also da könnte ein Tiny House drunterfallen. Was aber nicht heißt, dass ich es bauen darf. Ich brauche nur keine Baugenehmigung. Und das ist das Komplizierte. Ich lese in der Bauordnung nach, aha, ich muss nicht zur Behörde gehen und mir eine Baugenehmigung holen, aber ich muss das Recht trotzdem einhalten. Und dementsprechend darf ich das nicht im Außenbereich bauen oder darf das auch nicht wo bauen, wo kein Baurecht für so ein Tiny House besteht. Und das ist natürlich wirklich schwer verständlich für einen Privaten. Ja, und wie kriege ich das jetzt raus? Also da gehe ich zur Gemeinde und
00:15:50: schreibe dem oder rufe da mal an und sage, hallo, ich hätte Interesse an dem Grundstück, Flur Nummer XY, ob ich da was bauen dürfte generell. Und dann dauert es. Ja, also Gemeinde sozusagen, das ist die eine Instanz oder die Baugenehmigungsbehörde, die könnte man auch entsprechend befragen. Also das wäre der erste Weg vielleicht, um einfach eine Information zu bekommen. Das machen nicht alle Beaufsichtsbehörden und nicht alle Gemeinden, dass sie einen da umfassend beraten, aber oft passiert es. Und das wäre eigentlich schon ein guter Weg, mal so eine Erstabklärung zu machen. Man kann sich auch mal mit den Nachbarn
00:16:25: dort unterhalten, ob die da Bescheid wissen, ob sich jemand auskennt. Und dann hast du natürlich richtig gesagt, es gibt so eine Bauvoranfrage, wo man auch mal abklären kann. Ganz einfache Frage stellen, da kann ich dann fragen, ist dieses Vorhaben, dieses Tiny House, bauplanungsrechtlich zulässig? Also da kann ich fragen, kann ich das dort bauen? Muss ich da aber schon genau wissen, wie das aussieht, wie groß und wie oder kann ich nur generell auch mal fragen? Da kannst du, also die Bauformfrage ist ein formeller Antrag, den ich stelle. Da sollte ich dann halt wissen, zum Beispiel, was für ein Volumen ist es,
00:16:59: das ich da hinsetzen will und an welcher Stelle im Grundstück. Und dann reiche ich einen Lageplan ein und zeichne beispielsweise mal die Fläche von dem Tiny House auf und sage, das ist drei Meter hoch und ich möchte nur wissen, ob es bauplanungsrechtlich zulässig ist, nicht ob es genehmigungsfähig ist oder sonst irgendwas, sondern nur diese eine Fragestellung, dann habe ich die schon mal abgeklärt. Und der große Vorteil ist, dass wenn ich diese Frage abgeklärt habe, dann muss ich sie bei einer späteren Baugenehmigung nicht nochmal abklären lassen, sondern dafür habe ich quasi so eine Teilbaugenehmigung. Also ich weiß schon mal einen Aspekt der Baugenehmigung, dass der abgeklärt ist. Okay, also jetzt als Laie ist es doch so, ich will doch das Grundstück auch erst nur kaufen, wenn ich sicher weiß,
00:17:38: dass ich was drauf bauen darf. Reicht dann schon für so eine Entscheidung diese Bauvoranfrage oder sollte ich da auch schon eine fertige Baugenehmigung haben, bevor ich das Grundstück überhaupt kaufe? Weil sonst sitze ich ja auf einer Wiese, wo ich nichts machen darf. Prinzipiell sollte man Baurecht immer klären, bevor man was kauft, ein Grundstück kauft. Das würde man aber nicht nur beim Tiny House so machen. Das würde man ja bei jedem Bauvorhaben machen. Wenn ich jetzt ein großer Bauträger wäre, dann würde ich sogar da ein bisschen weitergehen und schauen, ob ich da, also da würde ich vielleicht abschätzen, kann ich da was ganz Großes drauf bauen, würde vielleicht keine Bauvoranfrage
00:18:13: einreichen, weil das würde ich ja erstmal für mich behalten. Da würde ich nur wissen, ob grundsätzlich ein Baurecht besteht. Also das muss man ein bisschen abschätzen, das hat dann ein bisschen was Spekulatives, wenn ich das nicht vorher abfrage. Das muss jeder dann für sich entscheiden, also da würde ich jetzt keinen Rat, da würde ich nur den Ratschlag geben. Ich für mich würde es wissen wollen, wenn ich baue, dann möchte ich wissen, was es da für ein Bau riecht. Und du sagst immer untere Baubehörde, ist das das Landratsamt oder was ist das für ein Amt? Wo muss ich da hingehen? Also vielleicht mal zur grundsätzlichen Klärung. Ich spreche mal von Bayern, weil da kenne ich mich besser aus als im Rest von Deutschland. Mit den 16 Bauordnungen, die man hat. Also bei uns gibt es normalerweise die Landratsämter, bei denen läuft die Baugenehmigung.
00:18:56: Da sind die unteren Bauaufsichtsbehörden und die Baugenehmigungsbehörden. Und die kennen sich mit dem Thema aus. Die Gemeinde hat aber auch dann Mitspracherecht, weil die macht das Bauplanungsrecht. Die sagt, wo soll ein Bebauungsplan sein. Also deswegen gibt es da zwei Institutionen. Aber die Genehmigung erfolgt bei der Baugenehmigungsbehörde und die sitzt in Bayern am Landratsamt oder bei kreisfreien und großen Kreisstädten, bei diesen großen Kreisstädten dann auch. Also das wäre jetzt beispielsweise die Stadt Landshut, da würde ich dann eben zur Stadt Landshut gehen. Okay und die Bauvoranfrage stelle ich auch im Landratsamt?
00:19:32: Ja, das ist genau das gleiche Prozent. Okay, verstanden. Ich habe noch gelesen, dass es auch noch eine Anforderung gibt an so Grundstücke, zwar zum einen eben, dass ich eine Baugenehmigung bekomme, aber dass da auch gewisse Anschlüsse vorhanden sein müssen. Was sind denn das für Anschlüsse, die ich da brauche und da sein sollten? Ja, also im Bauplanungsrecht redet man immer davon, dass die Erschließung gesichert sein muss.
00:19:57: Also ich muss da hinkommen, ich muss da Abwasser-Wasseranschlüsse vorweisen können. Letztendlich dann, wenn es gebaut ist. Die kann ich natürlich auch errichten zum Teil. Ich muss auch mal abklären, ob das mit dem Brandschutz funktioniert, ob da eine Feuerwehr hinfahren kann. Das sind lauter so Punkte. Und das ist insofern ja auch wichtig.
00:20:16: Wir haben ja vorher über die Vor- und Nachteile von Tiny Houses gesprochen. Und jetzt muss man sich mal vorstellen, ich habe ein Tiny House, das irgendwo auf der freien Wiese steht, dann kann ich das vielleicht mit Kompostklo und alles irgendwie auch regeln, könnte schon sein. Aber prinzipiell, wenn ich es an die Netze, an Stromversorgung und so anschließe, je kürzer die Leitungen sind, umso besser ist das, weil es weniger Folgekosten für die Gemeinschaft, aber auch für den Einzelnen produziert dann. Und also wie gesagt, mir fallen jetzt eine zum Beispiel Kanalisation. Ich muss ja irgendwo das Abwasser regeln. Also auch ein Tiny House hat eine Toilette. Und ob das immer eine Komposttoilette sein kann, das muss man klären. Und da geht es jetzt klassischerweise um Abwasser, Wasser, Strom und Zufahrt. Zufahrt, dass man da nicht durch irgendwelche anderen Grundstücke durchmüssen, die vielleicht das gar nicht so gut finden.
00:21:05: Genau. Dann gibt es natürlich auch bauordnungsrechtliche Anforderungen. Also ich muss natürlich auch schon, dass das Haus eine Statik hat und nicht zusammenbricht. Und das wären Sachen, die werden nicht in der Baugenehmigung abgefragt werden bei so einem kleinen Gebäude. Also das prüft keiner, aber ich bin dafür selber verantwortlich. Und das hatte ich ja vorher schon erklärt, so ganz grob mal mit dem Bauordnungsrecht, dass es da Gebäude gibt, für die ich keine Baugenehmigung brauche. Ich darf sie trotzdem nicht errichten. Und das ist ein genereller Hinweis, einfach es kann
00:21:35: Rechtsthemen geben oder Vorschriften geben, die keiner mich fragt, aber die ich trotzdem einhalten. Das kennen wir im Alltag auch. Wir alle wissen, wir dürfen nicht mit einem Kanister Benzin auf eine Wiese schütten, oder? Das wäre da irgendwie ein Problem mit der Umwelt. Und so ist es da letztendlich auch. Da gibt es einfach Statik. Muss ich einhalten? Ich muss mir auch mal über den Brandschutz Gedanken machen. Solche Sachen überlege ich mir bei der Planung, dass das Gebäude nicht zusammenfällt beim ersten Sturm. das ist wichtig. Aber da sage ich mal, der Laie würde da ja entweder so ein Modulhaus von einem Anbieter besorgen und die wenigsten würden das ja wirklich dann in Eigenregie bauen oder man lässt sich das dann vielleicht bauen über einen Architekten oder so. Oder einen Zimmerer,
00:22:17: der eine entsprechende Ausbildung hat und der hilft einem ja unter Umständen auch mit einer Baugenehmigung. Also gerade bei Tiny House, es gibt es ja viele Experten und Expertinnen, die sich ja auf dieses Thema fokussiert haben und die auch sich gut mit dem Baurecht auskennen. Also die auch gut wissen, wie das dann geht. Also diese großen Hersteller oder auch kleine Hersteller, die wissen ja genau, wie kann ich das machen, wo kann ich bauen und die helfen einem dann sowohl bei der Baugenehmigung
00:22:45: als auch bis hin zu diesen Themen Statik und wie hält das Ding, wie kann ich es beheizen. Ja, ich habe immer wieder das Stichwort Einfügen in die nähere Umgebung gelesen, wenn es um das Thema Baurecht bei Tiny Houses geht und man hört ja auch immer wieder, dass es eine große Challenge ist, so das passende Grundstück dann zu finden, wo eben auch so ein Tiny House genehmigt wird, weil es sich eben auch einfügt in die nähere Umgebung. Kannst du das mal erklären, was heißt das, dieser Begriff einfügen in die nähere Umgebung?
00:23:15: Genau, also ich habe vorher schon mal von dem Innenbereich gesprochen, wo es keinen Bebauungsplan gibt. Da geht es um das Einfügen. Das ist dieser Fall. Ich muss mich an die nähere Umgebung, an der näheren Umgebung orientieren. Da suche ich mir letztendlich mal den Bereich um mein Grundstück herum raus und schaue, was ist denn da alles so gebaut. Und dann finde ich beispielsweise zehn Einfamilienhäuser und ein Mehrfamilienhaus vor, die alle unterschiedliche Dimensionen haben oder alle ähnlich sind. Und dann kann ich daraus ableiten, was habe ich denn für ein Baurecht.
00:23:50: Am einfachsten ist es bei Gebieten, wo die Grundstückszuschnitte ähnlich sind und die Gebäude relativ gleich. Dann weiß ich, ich darf in etwa das machen, was der Nachbar auch macht. Und jetzt kann man bei Tiny Houses davon ausgehen, dass die in der Regel viel weniger Baumasse, viel niedriger sind und viel kleiner sind. Das heißt, es wird wesentlich leichter sein, dass sich so ein Gebäude in so einer regelmäßigen Siedlung einfügt, weil das eh weniger Baurecht in Anspruch nimmt. Also kleiner ist besser wie größer. Wenn ich größer bauen will, habe ich eher so ein Problem. Also muss ich dann... Richtig, also baurechtliche Fälle, wo das Einfügen gerissen wird, haben wir eigentlich in der Regel dann, wenn jemand mehr bauen will,
00:24:30: als in der Umgebung stattfindet. Man darf immer ein bisschen mehr, kann funktionieren, das muss man entsprechend begründen und aber das weniger ist normalerweise kein Problem. Also gäbe es nur ganz extrem... Ach, das ist aber cool! Ja, das ist gut. Aber es gibt ganz extreme Fälle. Also wenn ich jetzt irgendwo in der Berlin Mitte irgendwo so eine Blockrandbebauung, ein Haus abreiße und baue da ein Tiny House rein, das könnte vielleicht Probleme geben. Aber wer macht so was? Also das glaube ich kommt nicht vor.
00:24:55: Ja, okay. Ja, also ich glaube wirklich so im ganz urbanen Umfeld, jetzt ja auch relativ unrealistisch, dass man sich das dann gönnt, sag ich mal, mit den Grundstückspreisen, dass man dann so ein kleines Tiny House draufstellt. Genau. Ah ja, okay. Dann habe ich das verstanden mit diesem Einfügen, weil ich habe auch gelesen, dass man, wenn da viele so Schuppen und Garagen auch mit anderen Einfamilienhäusern so gemischt sind, dass es sich dann ja auch an diese Größendimensionen irgendwie einfügt und dass man sich dann quasi das nehmen
00:25:27: kann und sagen kann, das gibt es jetzt ganz viele Garagen und Schuppen und deshalb passt mein Tiny House da irgendwie ganz gut dazu. Ja, man kann es wie gesagt nie pauschalisieren, man muss immer sich den Einzelfall anschauen und interessant wird es doch bei den Flächen, wo Tiny-Häuser wirklich toll sind, beispielsweise wenn ich nachverdichte und sage, ich habe jetzt irgendwo eine Flachdachgarage und da stelle ich jetzt noch ein Tiny-Haus drauf. Dann wird es doch interessant und dann wird es aber auch ein bisschen komplizierter, weil da
00:25:53: steht normalerweise ja noch ein Haus daneben und dann habe ich ein Nebengebäude, auf das ich oben ein Haus draufbaue. Das wird dann komplizierter, weil da kommen dann auch noch Themen dazu wie Abstandsflächen. Ich muss ja dann noch Abstandsflächen vielleicht einhalten. Das ist dann vielleicht an der Grundstücksgrenze schwierig und da muss ich wirklich genau hingucken. Das würde mich jetzt überfordern, das hier zu erklären, wie genau das in diesen Einzelfällen funktioniert. Da sollte man sich jeden Einzelfall genau angucken.
00:26:18: Ah ja, okay. Und was sagst du so generell zull, man hat früher ja auch sehr große Gärten gebaut, also sehr große Grundstücke, hat dann so ein einzelnes Haus drauf gebaut. Jetzt würde man vielleicht in den Garten das quasi nachverdichten, indem man sagt, man teilt das Grundstück in zwei Flurnummern und stellt da vielleicht nochmal was Kleines drauf. Ist so ein Gedankenspiel möglich?
00:26:41: Durchaus. Also durchaus ist das denkbar. Vielleicht ein, ich versuche mal einen Fall zu konstruieren, wo das nicht möglich ist. Also wenn ich beispielsweise Gebäude habe, die alle in einer Reihe stehen und sozusagen dahinter ist ein großer Garten, der ist bei allen Gebäuden, bei allen Grundstücken noch freigehalten. Oder wir stellen uns vor an der Straße vorne eine Reihe Gebäude nacheinander und dahinter ist eine Reihe nur Garten. Dann habe ich eine sogenannte zweite Reihe und das ist
00:27:09: bauplanungsrechtlich problematisch, da kann ich da nicht in einem Garten was reinsetzen. Da muss ich vielleicht zur Gemeindegene sagen, ändert doch den Bebauungsplan oder stellt einen auf, damit ich auch in die Gärten bauen kann. Wenn ich in diesen anderen Gärten hinter dieser ersten Reihe vielleicht schon Gebäude habt, dann tue ich mich viel leichter. Dann kann ich wieder mit dem Einfügen argumentieren und sagen, da gibt es doch schon bei den anderen Grundstücken was im Hinterhof, dann möchte ich auch meinen Hinterhof bebauen. Dann ist es relativ einfach vielleicht.
00:27:35: Ah ja, okay. Ja, verstanden. Also ich kann das nicht pauschalisieren, das kann funktionieren, kann aber auch nicht funktionieren, aber generell wäre das doch interessant zur Nachverdichtung ein Tiny House mal im Garten zu stellen. Ja genau. Ich kenne nämlich eine Geschichte, ein Fall, wo die Oma sich ein Tiny House im Garten gebaut hat und die Familie hat dann, weil sie ja auch mit Kindern viel mehr Flächenbedarf hat, haben dann das Elternhaus bekommen und die Oma hat gesagt, ich brauche gar nicht mehr so viel und reduziere mich auf 20 Quadratmeter oder so. Und das fand ich eigentlich eine schöne Konstellation, dass man wie so Generationen wohnen, auf einem
00:28:12: Grundstück bleibt, aber eben sich quasi eine Generation so ein kleines Tiny House im Garten baut. Das kann auch deswegen interessant sein, weil ich dann die Anschlüsse von dem Vorderhaus oder von dem anderen Haus ja mitnutzen kann. Und das ist ja durchaus ein Synergieeffekt, der mir auch spart, zum Beispiel eine teure Heizung einzubauen oder einen Einzelofen mit Holz, der vielleicht gar nicht so ökologisch ist, als wenn ich mich an die Wärmepumpe vom Vorderhaus anschließe. Von daher ist das ja interessant. Super, dann haben wir ja jetzt eigentlich schon relativ viel Fälle besprochen.
00:28:45: Also wir haben diesen Außenbereich, wo es nicht möglich ist, dann kommen wir quasi in den Innenbereich, sage ich mal mit Bebauungsplan. Es ist relativ einfach ohne Bebauungsplan, am besten so eine Bauvoranfrage stellen und mit der Gemeinde sprechen und dann, wenn man noch mehr ins städtische Reingeht, dann ist es wieder ein bisschen unrealistisch, weil man ja quasi Berliner Mitte jetzt nicht quasi ein Tiny House auf so ein ganz teures urbanes Grundstück stellen würde. Und das wäre wahrscheinlich auch rechtlich
00:29:18: schwierig, oder? Weil da will man ja auch einfügen in die Umgebung, wäre ja dann da irgendwie auch schwierig. Ja, das sind immer dann Haltungsfragen. Also wie gesagt, da würde ich jetzt als Architekt und Stadtplaner sagen, dieses Thema mit der Oma, die im Garten sich das Tiny House baut, das ist doch irgendwie nachvollziehbar, verständlich, ökologisch, ökonomisch sinnvoll. In dem Moment, wo man auf ein großes Grundstück nur ein Tiny House stellt, wo man vielleicht auch mehr bauen kann, mehr Familienhaus, vielleicht auch mit vielen kleinen Wohnungen, wo viele Leute wohnen können. Da fällt es mir dann immer schwer zu sagen,
00:29:48: das finde ich positiv. Das kann aber für den Lifestyle super sein. Also wenn ich ein riesiges Grundstück habe und habe da ein Tiny House drin, weil das baurechtlich zulässig ist, ist doch toll. Kann für mich selber interessant sein. Das heißt eigentlich jetzt so zusammengefasst, also bis auf diesen Einzelfall jetzt, dass ich wirklich so in diesen Stadtzentren bin, aber ansonsten, wenn ich da an Gemeinden denke, wo eben eine gewisse Wohnbesiedlung schon stattfindet, da ist ein Tiny House eigentlich weniger ein Problem. Problematisch wird es eben vor allem im Außenbereich und in den
00:30:24: ganz urbanen Gebieten. Richtig, genau. Und dann, was man auch nicht unterschätzen darf, ist natürlich die soziale Kritik vor Ort. Also die Haltung, was hat eine Gemeinde und was haben die Gemeinderatsmitglieder, was haben die für eine Haltung zu Tiny Houses?
00:30:37: Wenn die dann darüber diskutieren, wenn jemand herkommt und sich so ein Haus baut. Jetzt stellen wir uns irgendwie vor, bayerisches Land irgendwo, wo so ein großes Einfamilienhausgebiet ist und einer sagt, ich möchte zu einem Tiny House wohnen. Das wird vielleicht erstmal schräg beäugt, aber das Baurecht ist neutral, das ist für jeden gleich erstmal. Und nur mit so einer Diskussion, das sind dann immer diese Lifestyle-Diskussionen um dieses Thema Wohnformen. Was ist die richtige Wohnform? Was ist adäquat? Das ist total spannend auf jeden Fall. Das kommt natürlich auch dazu, aber es hat nichts mit dem Baurecht zu tun. Das habe ich verstanden. Ja, okay. Und da muss man halt, das muss man ja aushalten,
00:31:15: wenn man ein Tiny House will und die Nachbarn einen da so ein bisschen schräg anschauen. Man macht es ja aus einer bewussten Entscheidung heraus und insofern, ja, würde ich sagen, muss man das aushalten, wenn die einen dann so ein bisschen schräg anschauen oder ansprechen. Okay, cool. Noch mal zusammengefasst. Ich will ein Tiny House, ich mache mich auf eine Grundstückssuche. Ich weiß ungefähr, ich sage jetzt mal, ich nehme eine Region, ob das jetzt Harz ist oder
00:31:40: irgendwo vielleicht auch in der Alpenregion, weil es da besonders schön ist. Dann mache ich mich auf die Suche vor allem in kleinen Gemeinden und kleineren Städten und in so Einfamilienhausgebieten, ob es da Grundstücke gibt oder Lehre. Ja, das ist jetzt immer interessant, wo suche ich. Also du hast prinzipiell baurechtlich recht. Da, wo schon was ist, ist es immer am einfachsten zu bauen.
00:32:05: Aber das Schöne am Tiny House ist das Experiment, also vielleicht eine Restfläche zu suchen, vielleicht eine Garage zu suchen, auf die ich das raufbauen kann, vielleicht auch diese Situation Hinterhof, die du geschildert hattest, oder auf dem Land ist das vielleicht eher das Rückliegergrundstück. Das wären ja interessante Orte, um sowas zu machen. Und da würde ich natürlich immer eher im bebauten Bereich gehen. Beim Außenbereich würde ich mal sagen, ist das sehr, sehr schwierig.
00:32:34: Ah ja, okay. Und hast du irgendwie so einen Tipp, wo man so Grundstücke dann findet, so Restgrundstücke oder wie du es genannt hast? Naja, das Einfachste ist glaube ich erst mal in der Familie zu gucken, ob jemand was hat. Das wäre wahrscheinlich am leichtesten, weil da habe ich natürlich dann vielleicht am ersten Zugriff drauf. Es ist aus der Erfahrung raus, die ich mit meiner Arbeit auch habe, relativ schwierig, an bestehende Grundstücke ranzukommen, wo jemand schon wohnt. Das würde sehr viel, da muss man vielleicht vor Ort jemanden kennen, da muss man vielleicht eine
00:33:08: Connection aufbauen, da hat man vielleicht eine Dorfgemeinschaft und kennt jemanden, dann ist es natürlich wesentlich leichter. Ich weiß nicht, also das wäre vielleicht auch mal interessant, ob von den Hörenden, Hörerinnen, das weiß, ob es so eine Börse für Tiny Houses gibt, weil das ja eine sehr spezielle Anforderung ist. Also ich habe bei einem Interview, das dann zwei Wochen später kommt, der hat es über eBay Kleinanzeigen gefunden. Genau, also da sind anscheinend dann schon
00:33:33: immer Grundstücke drin, aber die sind nicht rechtlich geklärt. Also da muss man das ein bisschen mit Vorsicht genießen, dass man die, da werden einfach irgendwelche Grundstücke reingegeben und man muss sich selber dann darum kümmern, ob das wirklich eben genehmigt wird und dass man eben auch so Bauvoranfragen unbedingt stellen sollte, bevor man da ein Grundstück über eBay Kleinanzeigen kauft. Weil die Eigentümer meistens das gar nicht geklärt haben, was da eigentlich möglich ist, sondern die wollen einfach nur das Grundstück loswerden. Ja, da gibt es viele Wege, die da zum Ziel führen und jeder Weg ist da wahrscheinlich sehr unterschiedlich, deswegen kann man es schwer pauschalisieren. Also es gibt da manchmal auch Baurecht auf Grundstücken, wo man vielleicht gar nicht daran gedacht hätte, dass die Gemeinde das irgendwie über einen Bebauungsplan herstellt.
00:34:17: Gibt es auch. wo wirklich ein Grundstück mal für so eine größere Tiny-House-Siedlung beplant wird. Auch das kommt vor. Das kann auch interessant sein. Dann wohnt man vielleicht auch ein bisschen gemeinschaftlicher zusammen. Da gibt es ja auch so eine Szene für dieses Thema. Also vielleicht der Tipp, weil du nach dem Tipp gefragt hast. Jedes Bundesland und jede Genehmigungsbehörde ist ein bisschen anders. Das ist leider so. Man muss da sprechen und man muss sich da wirklich auch mit den Genehmigungsbehörden auseinandersetzen und mit den Gemeinden und schauen,
00:34:49: was geht denn wirklich. Dann macht das Tiny Houses Experiment vielleicht Spaß. Also da braucht man ein bisschen langen Atem. Es ist halt nicht der Standard, wie ich kaufe mir im Bebauungsplangebiet ein Grundstück, wo das Baurecht Lage regelt ist. Ja, okay. Und da ist einfach der Weg dann auch das Ziel, dass man so Schritt für Schritt so seinen Weg findet, wo es möglich ist und wo man leben möchte. Dann, vielen, vielen Dank für die coolen Tipps und ich habe es jetzt, glaube ich, wirklich gut verstanden, weil in der Tat überlegen wir ja auch oder träumen wir von so einer Art Tiny House als Ferienhaus hier, auch ebenso in der ländlichen Region. Und jetzt habe ich auf alle Fälle schon mal gut umrissen,
00:35:31: wo ich gucken darf und wo ich nicht gucken darf oder wo ich es mir gleich auf den Kopf schlagen darf, wenn ich da ein schönes Grundstück sehe. Deshalb schon mal vielen, vielen Dank für die ganzen Tipps und ich wünsche dir auf alle Fälle jetzt noch einen schönen Tag und bis bald. Ja, danke, dir auch. Bis dann, danke, tschüss.
00:35:51: Ciao. So, Dalla, das war jetzt das Interview mit Martin zum Thema Baurecht bei Tiny Houses. Also ich fand das Gespräch total aufschlussreich, weil ich jetzt so richtig verstanden habe, wo überhaupt so ein Tiny House in Frage kommt und bin natürlich ein bisschen traurig, dass das Vorurteil aufgeräumt wurde, dass man ein Tiny House einfach irgendwo so in die wilde Natur stellen darf.
00:36:17: Wir träumen ja auch von so einem Tiny House und jetzt habe ich so ein bisschen besser verstanden, wo wir jetzt nach Grundstücken suchen können. Wenn ihr jetzt Freunde und Bekannte habt, die auch von einem Tiny House träumen und die diese Folge auch interessieren könnte, dann teilt die Folge doch gerne mit ihnen. Ja und wer keine frische Folge verpassen will, der kann natürlich gerne meinen Kanal abonnieren. Also bis zum nächsten Mal, ich freue mich auf euch. Ciao! Transcribed with Cockatoo
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